Außenpolitik

Iran protestiert gegen Berlinale-Bären: Panahi droht Ärger

Der Friedensfilmpreis an „The Life Not Ours“ ist nicht die einzige Berlinale-Auszeichnung, die auf Kritik stößt.

Dem iranischen Filmemacher Jafar Panahi droht nach der Auszeichnung seines Wettbewerbs-Beitrags „Pardé“ (Geschlossener Vorhang) bei den Filmfestspielen zu Hause Ärger. Nach Angaben der Teheraner Presse vom Dienstag hat das iranische Kultusministerium die Produktion des Films als „illegal“ bezeichnet und auch wegen der Aufführung und der Auszeichnung Protest eingelegt. Damit könnte es zu einem juristischen Nachspiel für den Regisseur kommen.

Eine Sprecherin von Berlinale-Chef Dieter Kosslick erklärte dazu: „Wir würden es sehr bedauern, wenn die Vorführung von ‚Pardé‘ juristische Folgen für die Filmemacher hätte.“ Panahi hatte am Sonntag zusammen mit seinem Co-Regisseur Kamboziya Partovi den Silbernen Bären für das beste Drehbuch erhalten. Den Preis für den geheim gedrehten Film nahm Partovi entgegen, da Panahi das Land nicht verlassen darf.

Der iranische Vize-Kultusminister Dschawad Schamaghdari sagte laut Medienberichten: „Im Iran müssen Filme mit Erlaubnis gedreht und auch mit Erlaubnis ins Ausland geschickt werden, daher ist die Produktion und Aufführung dieses Films illegal und dementsprechend eine Straftat.“ Bis jetzt habe man „Geduld“ gezeigt. „Aber nicht wir, sondern die Polizei ist für sowas zuständig“, sagte Schamaghdari ohne weitere Erläuterungen.

Jafar Panahi war wegen seiner Kritik an der iranischen Regierung im Dezember 2010 zu sechs Jahren Haft und einem 20-jährigen Berufs- und Ausreiseverbot verurteilt worden. Der Filmemacher steht seitdem unter Hausarrest. Vor zwei Jahren hätte er, der schon auf der Berlinale 2006 für seinen Film „Offside“mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde, Mitglied der Internationalen Jury werden sollen. Da er nicht ausreisen durfte, blieb sein Stuhl aus Protest leer. Dennoch drehte er heimlich den Film „Geschlossener Vorhang“ am Kaspischen Meer im Nordiran.