Literatur

Reiner Calmund und der Traum vom ewigen Leben

Buchvorstellung bei Dussmann: Dicke leben länger

Das Buch „Mythos Übergewicht“ wird bei Dussmann vorgestellt – von einem „Dreamteam“, wie der Moderator sagt: Professor Achim Peters, rank und schlank mit scharfen Gesichtszügen, der Autor, ein Internist und Hirnforscher. Und Reiner Calmund, Ex-Manager von Bayer Leverkusen, gefühlte 200 Kilogramm. Er soll den „Mythos Übergewicht“ beweisen. Etwa 150 meist ältere Gäste sind gekommen. „Diäten scheitern. Da ist nie der Mensch dran schuld, sondernd die Diät. Es gibt 100.000 Diät-Ratschläge, aber die sind alle ausgedacht. Zucker ist eine gute Sache, das Gehirn braucht 130 Gramm am Tag“, sagt Professor Peters und Calmund schaut ernst. Der Theorie nach gibt es zwei Arten von Menschen, die genau zu zwei Hälften auf die Erdbevölkerung aufgeteilt sind: Typ A und Typ B. Typ A schüttet bei Stress Cortisol aus, das führt zu Unwohlsein, Depression, Herzinfarkten. Typ B fängt bei Stress an zu essen und hält so das Cortisol-Level niedrig. Das macht zufriedener und dicker.

Calmund, der Autor von „Eine Kalorie kommt selten allein“, ist demnach Typ B und kommt ins Plaudern. „Ich habe in meinem Leben bestimmt zehn Diäten gemacht und 200 Kilo verloren. Aber dann kam der Jojo-Effekt und ich habe 250 Kilo wieder dazu bekommen.“ Dann fügt er mit seinem rheinischen Frohsinn hinzu: „Ich sag immer: Geb dem Leben nicht mehr Jahre, sondern den Jahren mehr Leben.“ Das Publikum mag ihn, es gibt vereinzelte Lacher. Jetzt ist der Professor wieder an der Reihe und wird ernst: „Dicke werden diskriminiert, bewusst von den Ressourcen in der Gesellschaft ferngehalten. Sie kriegen ein niedrigeres Gehalt und werden schneller gefeuert.“ Calmund nickt. „Dabei leben dicke Menschen länger. 15 Jahre Hirnforschung haben die Grundlage gebildet. Wir sollen dicken Menschen helfen!“, schließt der Professor.

Calmund erzählt jetzt, wo er in Berlin gerne Currywurst isst, „am Mehringdamm und beim Ku’damm 95“. Wenn er Urlaub in Asien mache, würde er Obst essen und abnehmen, da er dort keinen Stress habe. Aber beim Urlaub in Bayern würde er zunehmen, trotz Stressfreiheit, das leckere Schweinefleisch: „Das wird vom Gehirn gesteuert.“ Professor Peters Lächeln ist jetzt eingefroren und Calmund plaudert weiter, über seine Jugend: „Ich bin ein Nachkriegskind. Ich war ein ganz dürres Kerlchen. Es gab Hirsepappbrei, damit kann man die Löcher in der Wand zukleben.“ Erst die Gastarbeiter aus dem Bayerischen Wald hätten Kaiserschmarrn und Apfelstrudel in das Braunkohlegebiet seiner Jugend gebracht. Da habe er angefangen, viel zu essen.

Am Ende umringen Menschen den früheren Manager von Bayer Leverkusen und schießen Fotos. Bei Professor Achim Peters steht eine ältere Dame und fragt ihn, was sie mit ihrer Gürtelrose machen solle. Der Professor weiß es nicht, es ist nicht sein Fachgebiet.