Film

Zweifel am Berlinale-Friedenspreisträger

Mahdi Fleifels Film über Israel und Palästina ist umstritten. Ein Debatten-Beitrag

Eigentlich hätte der Film „A World Not Ours“ ein wichtiger Beitrag für den Friedensprozess im Nahen Osten sein können. Der Film des dänischen Regisseurs Mahdi Fleifel beschäftigt sich mit einem Haupthindernis für den Frieden in dieser Region: der Verewigung des palästinensischen Flüchtlingsproblems. 65 Jahre nach der sogenannten „Nakba“ leben Millionen Palästinenser in Flüchtlingslagern in arabischen Staaten, die ihrerseits nie gewollt haben, diesen Flüchtlingen ein normales Leben durch Integration anzubieten. Nur dank des Elends dieser Flüchtlinge kann man ihr „Rückkehrrecht“ aufrecht erhalten, was das Ende des Jüdischen Staates im Nahen Osten bedeuten würde. Mit diesem politischen Zweck im Kopf sind die Palästinenser das einzige Volk in der Welt geworden, bei dem der Titel „Flüchtling“ von einer Generation zur anderen vererbt wird.

Gleich am Anfang seines Film betont Fleifel, dass „mit der Gründung Israels Palästina verschwand und 500.000 Palästinenser vertrieben wurden, um Platz für jüdische Immigranten zu schaffen“. So lautet die übliche palästinensische Propaganda. Tatsache ist, dass Palästina unter jordanischer und ägyptischer Besatzung verschwand und arabische Regierungen den Palästinensern empfohlen haben, ihre Häuser zu verlassen, weil es so einfacher wäre, „die Juden zu erledigen“. Aber darüber will Fleifel in seinem Film nicht sprechen. Israel muss die absolute Schuld für das Elend der Palästinenser tragen. Punkt. Deswegen, so sagt er in seinem Film, konnte er als jemand mit einem palästinensischen Hintergrund während eines Besuches im Yad Vashem keine Empathie für das Leiden der Juden entwickeln, da er ständig Bilder von israelischen Soldaten vor Augen hatte, die „Knochen von Palästinensern brachen“. Ganz einfach so. Ohne Zusammenhang. Aber der Vergleich zwischen dem Holocaust und den militärischen Aktionen von israelischen Soldaten ist damit gemacht.

Nach der Vorführung des Films bei der Berlinale am Freitag gab es eine Publikumsdiskussion mit dem Regisseur. Keine kritische Frage oder historische Korrektur, auch wenn Fleifel seine düstere Vision eines Friedens im Nahen Osten schildert: „In Europa habe ich viele Israelis kennengelernt. Oft sagen sie mir, dass sie sich schämen. Die Menschen in meinem Film sprechen von ,Juden‘, aber wir, die jüngere Generation, machen einen Unterschied zwischen Juden und Zionisten. Wir haben nichts gegen Juden. Das Problem ist der Zionismus, eine Ideologie, die auf der Rasse basiert und an ein auserwähltes Volk glaubt“. Die Idee vom „auserwählten Volk“ ist eigentlich eine jüdische Idee, aber Fleifel hat ja kein Problem mit Juden.

„Israel ist eine Tatsache“, erklärt der in London lebende Regisseur: „Aber es hat keinen legalen Grund zu existieren. Es wurde uns vom Westen aufgezwungen. Deswegen werden die Palästinenser und die Araber es nie akzeptieren.“ Keine Reaktion vom Publikum oder seitens der Moderation. Als ein Zuschauer Fleifel fragt, ob er an die Zweistaaten-Lösung glaubt und ob eine solche Lösung eine Antwort auf die unerträgliche Situation der Flüchtlinge geben könnte, verbirgt Fleifel seine Haltung nicht: „Hört auf darüber zu sprechen“, sagt er mit großer Emotion, „es ist nur eine Illusion.“ Aber das Publikum ist begeistert und applaudiert. Ein paar Stunden später kommt die Mitteilung: „A World Not Ours“ erhält den diesjährigen Friedenspreis der Berlinale. Für einen Frieden ohne Israel?

Eldad Beck lebt in Berlin und ist Auslandskorrespondent der israelischen Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“