Bühne

Choreograf tauscht Ballettschwäne gegen Prostituierte

Die HipHop-Show wird im Admiralspalast gezeigt

Eigentlich geht das gar nicht. „Schwanensee“ ist der Inbegriff des Balletts, der Inbegriff klassischer Schönheit. Wie kann man ein solches Stück mit HipHop-Musik kreuzen? Man braucht Mut und eine gute Idee. Frederik Rydman hat beides. Der schwedische Star-Choreograf war schon immer ein Grenzgänger. Er wurde an der Ballettakademie Stockholm klassisch ausgebildet, gründete aber 1997 die Streetdance-Kompanie „Bounce“, mit der er in halb Europa gastierte. In seiner Heimat ist er inzwischen so populär, dass sein Porträt in die Galerie der berühmtesten Schweden am Stockholmer Flughafen aufgenommen wurde.

Der Choreograf erzählt die vertraute Geschichte neu – in packenden, drastischen Bildern. Die Idee kam ihm bei einem Schaufensterbummel in London. „Dort waren Pelze ausgestellt, die aussahen wie Schwäne. Schwäne werden oft als Symbol für Prostituierte verwendet, und ich fragte mich, ob das hier beabsichtigt war. Und dann kam ich drauf: das könnten die Schwäne aus ,Schwanensee’ sein! Rotbart, der Bösewicht aus dem Märchen, ist kein Zauberer, sondern ein Dealer und Zuhälter. Er bringt Mädchen in seine Gewalt, indem er ihnen Heroin gibt. Und dann müssen sie anschaffen gehen, um für den Stoff zu bezahlen.“

Tschaikowsky plus Beats

Rydman eilte sofort nach Hause, um im Internet zu überprüfen, ob „Schwanensee“ schon von anderen Choreografen so interpretiert worden war. Doch er war der erste. Zurück in Stockholm machte er sich an die Arbeit. „Als ich mir die Musik anhörte, fand ich sofort Stellen, die zu meiner Handlungsidee passten, ganz so als hätte Tschaikowsky die gleichen Gedanken im Kopf gehabt. Aber mich reizte auch die Idee, die Originalmusik mit neuen Kompositionen zu mischen.“ Rydman lud Musiker aus der schwedischen HipHop- und Electroszene ein und tanzte ihnen seine Ideen vor. „Ich wünschte, wir hätten bei diesen ersten Proben, die bei mir im Wohnzimmer stattfanden, eine Videokamera mitlaufen lassen. Es war absolut verrückt.“ Die Choreografie und die Musik von „Swan Lake Reloaded“ entstanden quasi gleichzeitig. Tschaikowskis berühmte Melodien wurden gesampelt und mit Geräuschen und Beats gemischt.

Am Anfang ist die Bühne finster. Rotbart taucht in einem Scheinwerferspot auf, wie ein gefährliches Tier – erst langsam schleichend, dann blitzschnell. Rauch quillt aus seinen Ärmeln. Er ist ein Dämon im eng anliegenden schwarzen Lederoutfit. Die Frauen, die er per Handy herbeiruft, halten ihm willig die Unterarme hin. Im Drogenrausch ziehen sie die weißen Felljacken, die er ihnen gibt, und tanzen in den Schaufenstern zwielichtiger Clubs – bis eine rebelliert. Odette hat sich in einen Freier verliebt – in Siegfried, der ihr ewige Liebe und Treue schwört. In Stockholm war „Swan Lake Reloaded“ kurz nach der Premiere ausverkauft.

Admiralspalast 19.-24.2. Tel. 01805-570099