Musik

Spekulationen über Richard Wagners verschollene Opern

Waren sie in Hitlers Bunker? Oder auf seinem Berghof? Wurden sie zerstört oder in die damalige Sowjetunion gebracht?

Einige Originalpartituren von Richard Wagner sind verschollen und es blühen die Spekulationen, wie der Chef des Bayreuther Richard-Wagner-Museums, Sven Friedrich, sagte. Die anderen Originalpartituren sind im Wagner-Nationalarchiv Bayreuth untergebracht – und die Partitur der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ ist von diesem Donnerstag an sogar öffentlich zu sehen: Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg besitzt die Dokumente seit Anfang des 20. Jahrhunderts und hat zum 200. Geburtstag des Komponisten eine Sonderausstellung organisiert.

Unauffindbar dagegen sind die Reinschrift-Partituren der Frühwerke „Die Feen“, „Rienzi“ und „Das Liebesverbot“ sowie von „Rheingold“ und „Walküre“. Diese Schriften hatte Wagner selbst nach und nach seinem Gönner König Ludwig II. geschenkt. Später, im Jahr 1939, erwarb die Reichswirtschaftskammer die Handschriften und schenkte sie Adolf Hitler zum 50. Geburtstag. Von da an verliert sich die konkrete Spur. Es gebe Mutmaßungen, so Friedrich, dass Hitler sie 1945 mit in seinen Bunker genommen hat. Wichtigstes Indiz: Der Komponisten-Enkel Wieland Wagner und sein Schwager Bodo Lafferentz wollten Anfang April 1945 in Berlin die Herausgabe der Partituren erwirken – allerdings vergeblich. Friedrich allerdings glaubt nicht, dass die Schriften im Bunker waren und von dort aus in die Hände der Roten Armee gelangt sein könnten. Im Bunker sei wenig Platz gewesen, der Tresor hätte die Partituren gar nicht fassen können.

Vielmehr geht Friedrich davon aus, dass die Wagner-Schriften im Berghof am Obersalzberg verwahrt wurden – wie auch etliche andere Geschenke zum 50. Geburtstag. „Deshalb macht das Sinn“, sagte Friedrich. Wurden die Partituren von den Nationalsozialisten weggeschafft? Oder haben sie französische oder US-amerikanische Soldaten an sich genommen? „Wir wissen nicht, ob sie überhaupt noch existieren“, so Friedrich.