Bären-Verleihung

Für die Abschlussgala braucht es Ausdauer

Zur Bären-Verleihung trifft sich die Filmszene im Berlinale-Palast

Noch einmal wollten sie glänzen. Am Sonnabend ehrte die 63. Berlinale mit einer großen Abschlussgala die Gewinner der begehrten Bären – und die Schauspielriege zeigte sich zu diesem Anlass ein letztes Mal im Blitzlicht-Gewitter auf dem langen roten Teppich vor dem Festival-Palast am Marlene-Dietrich-Platz. Zumindest all diejenigen, die über die nötige Ausdauer verfügten.

Schließlich lagen zehn exzessive Tage hinter den meisten, dominiert von Partys, Smalltalk und Champagner. Ein Event folgte auf das nächste, häufig waren es gleich mehrere Veranstaltungen parallel, auf denen sich die Prominenten blicken lassen mussten. Dieser einzigartige Berlinale-Marathon machte sich dann auch bemerkbar. Nachdem am Vorabend noch Nicolas Cage und Emma Stone Hollywood-Glamour am Potsdamer Platz versprühten und Catherine Deneuve gewohnt elegant das Publikum zu faszinieren wusste, fehlten die US-Stars an diesem Abend der Preisverleihung. Kein Jude Law, keine Anne Hathaway, kein Hugh Jackman – sogar große Namen der deutschen Filmbranche suchte man auf der Gästeliste vergeblich. Da die deutsche Bären-Hoffnung Nina Hoss wegen Krankheit fehlte und zudem leer ausging, waren alle Augen auf ihre Kollegin Martina Gedeck gerichtet. „Viel Spaß“ habe ihr die Berlinale gemacht, die sie aber nur wegen des Verzichts auf Alkohol überstanden hätte, sagte die Darstellerin. „Ich habe gefühlt an die 2000 Interviews gegeben, war ständig auf Terminen.“

Auch Nachwuchstalent Aylin Tezel, die bei den Festspielen mit dem Deutschen Schauspielerpreis geehrt worden war, hatte tapfer durchgehalten – bis jetzt. „Vor zwei Tagen hat die Erkältung mich erwischt.“ Schauspieler Michael Gwisdek hingegen wirkte äußerst ausgeschlafen - und das, obwohl er dieses Mal nach eigenen Angaben „viel gefeiert“ und keinen Film gesehen habe. „Musste mal sein.“

Überhaupt gelangten die Filmschaffenden selten dahin, wo das Herz der Festspiele in den vergangenen Tagen eigentlich schlug: in den Kinosaal. Ausgenommen hiervon war natürlich die Jury um den Präsidenten Wong Kar-wai, der mit seinem Kung-Fu-Drama „The Grandmaster“ den Auftakt machte – und dafür neben Lob auch Kritik einstecken musste.

Etwas pikiert war man zudem, so hieß es, über die notorische Unpünktlichkeit des chinesischen Regisseurs. Meist kam er erst, als der zu bewertende Film bereits längst lief. Verantwortungsbewusster zeigten sich da die anderen Mitglieder der Jury.

Ob US-Schauspieler Tim Robbins oder der deutsche Regisseur Andreas Dresen, sie alle sparten sich ausschweifende Privatpartys und lange Nächte im neuen Treffpunkt der Hollywoodstars, dem „Soho House“.

Erstaunlich fit zeigte sich wie immer Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Er scherzte zusammen mit der Moderatorin der Gala, Anke Engelke, auf der Bühne des Berlinale-Palastes. Dabei hatte er in den vergangenen zehn Tagen ein sehr straffes Programm absolviert: repräsentieren, posieren, werben. Für Filme – und auch ein bisschen für sich selbst.

Im Dauereinsatz waren auch Prominente wie Florian David Fitz, Veronica Ferres, Hannah Herzsprung oder Anna Maria Mühe. Nur einen, den hätten sie wohl wirklich alle zu gern einmal gesehen: George Clooney. Doch der Hollywoodstar machte sich rar. Vielleicht wollte das Phantom der Berlinale seinen Kollegen nicht die Show stehlen. Bleibt also nur die wage Hoffnung auf ein Wiedersehen. Im nächsten Jahr.