Klassik-Kritik

„Wagner-Gala“ mit einem schwachen Placido Domingo

Die „Wagner-Gala“ der Staatsoper unter Daniel Barenboims Leitung verlangte Eintrittspreise bis zu 200 Euro pro Platz.

Zahlreiche Plätze in der Philharmonie blieben prompt frei. Die teure „Wagner-Gala“ war nach 75 Minuten zu Ende und hörte sich respektvoll bedankt. Die Titelrolle in „Parsifal“ (Dritter Akt) war Placido Domingo anvertraut. So sehr man sich freute, ihn, den Altmeister unter den Heldentenören, wiederzusehen, ihn wiederzuhören in seiner alten Partie erwies sich leider als keine ungetrübte Freude. Die Zeit geht auch an den größten Künstlern nicht spurlos vorüber. Domingo ist inzwischen zweiundsiebzig und hat sich klugerweise vom Tenor zum Bariton herabgestuft. Mit dem dritten „Parsifal“-Akt ist er nun, traurig, aber wahr, noch einmal rückfällig geworden.

Die beiden Solisten an seiner Seite hatten es nicht gerade leicht, diesen Gala-„Parsifal“ künstlerisch einigermaßen auf Trab zu halten, zumal Barenboim kein Meister im Dirigieren konzertanter Opernaufführungen ist, sondern offenkundig die Inspiration durch das Bühnengeschehen braucht, um sich interpretatorisch an ihm zu entzünden. Gegen die Trockenheit der instrumentalen Darstellung sangen Kwangchul Youn als Gurnemanz und Wolfgang Koch als Amfortas ziemlich vergeblich an. Trumpf-As der Aufführung wurde der Männer-Chor des Hauses, von Eberhard Friedrich sorgfältig und ausdrucksstark einstudiert.