Konzertkritik

Xavier de Maistres Harfenspiel rettet den Abend im Konzerthaus

Paul Goodwin war im Konzerthaus für Jeffery Tate am Dirigentenpult im Konzerthaus eingesprungen, dieser war erkrankt.

„La Passione“, die 49. Sinfonie Joseph Haydns, stand auf dem Programm. Auch das Orchester schien ein wenig missmutig, den Abend auf diese annähernd triste Weise eröffnen zu müssen, die offenkundig nur den hochgewachsenen, strahlenden Dirigenten bei Laune hielt. Er beschloss den Abend mit Mozarts Es-Dur-Sinfonie, der 39. ihres Genres. Dennoch wurde es kein verlorener Abend. Dafür sorgte Xavier de Maistre, der Solist des Konzerts, mit seiner Harfe. Allerdings spielte er kein Harfenkonzert, sondern ein Klavierkonzert Haydns, das er für seine Harfe umgearbeitet hatte. Die Original-Harfen-Kadenzen hatte ein gewisser Sylvain Blassel beigesteuert. Rätsel über Rätsel! Aber de Maistre löste sie durch sein bezauberndes Spiel allesamt auf durchaus überzeugende Weise.

Nicht dass er das Klavier angemessen hätte ersetzen können. Das gelang nicht, wurde von de Maistre aber auch gar nicht angestrebt. Schließlich hatte zu Haydns Zeit immer noch das Cembalo als Tasteninstrument das große Sagen und dessen zierlichem Klangstand die Harfe immerhin nah. Dennoch blieb der Triumph für de Maistre anfangs aus. Er konnte ihn sich erst mit einer Zugabe erspielen, in der es tatsächlich schien, als habe er mehr als nur fünf Finger an den Händen. Er zeigte sich überraschenderweise als ein Paganini der Harfe. So jedenfalls hatte man Harfe noch nie spielen gehört.