Filmkritik: Das merkwürdige Kätzchen (Forum)

Merkwürdig, aber auch liebenswert

Das merkwürdige Kätzchen (Forum)

Schon der Titel von Ramon Zürchers Debütfilm ist pure Ironie: Denn wenn es ein Wesen in seinem Film gibt, das merkwürdig ist, dann ist das zu aller letzt die Katze, die durch die Wohnung streift, in der fast der komplette Film stattfindet. Genau genommen ist die Katze das einzig normale Wesen in einem Sammelsurium merkwürdigen Verhaltens sowohl der zunehmenden Menschenmenge, als auch von allerlei Gegenständen, denen fast organische Qualitäten eingeräumt werden.

Schauplatz ist eine Wohnung, irgendwo in Berlin, an eine WG denkt man anfangs. Eine Frau, gespielt von Jenny Schily, hantiert in der Küche, die Katze kratzt an einer Tür, die sechs, sieben Jahre alte Clara schreit. „Ist Clara jetzt verrückt geworden“ fragt Karin (Anjorka Strechel), die zu Besuch ist. Doch sie fragt es ohne wirkliche Sorge, ohne sich über das merkwürdige Verhalten Claras zu wundern. Etwas später stellt sie eine leere Flasche in einen Topf, setzt sie in Bewegung und beobachtet gemeinsam mit Kamera und Zuschauer das Drehen der Flasche, das kein Ende zu nehmen scheint. Und so geht es weiter: Figuren tauchen auf, Männer, junge Erwachsene, kleine Kinder, skurrile Geschichten werden erzählt, verschiedenste Gegenstände werden in Großaufnahmen ins Bild gestellt und wirken oft ebenso belebt wie die Darsteller. Deren Dialoge, ihre Alltagsbeobachtungen sind voller Lakonie, von einer Handlung im klassischen Sinn kann man nicht sprechen, lose begleitet die Erzählung den Tag einer Großfamilie, ihre Verbindung sind nur zu erahnen. Das ist hübsch und skurril, dennoch wirkt es bisweilen, als sei ein Kurzfilm beim Drehen immer länger geworden.

Termine Heute, Delphi 19.15 Uhr; 13.2 Cinestar Event 22 Uhr, 15.2 Colosseum 1 20 Uhr