Filmkritik: Gloria (Wettbewerb)

Paulina García ist die erste Bären-Aspirantin

Gloria (Wettbewerb)

„Gloria“. Ausgerechnet. An Selbstbewusstsein kann es einem Regisseur nicht mangeln, wenn er es wagt, seinem Film diesen Titel zu geben. Knapp 35 Jahre, nachdem John Cassavetes mit „Gloria“ in Venedig gewonnen hat und Gina Rowlands für die Hauptrolle um ein Har den Oscar gekriegt hätte.

Auf den ersten Blick scheinen auch Welten zwischen der Gangsterbraut von damals und der von erster Alterseinsamkeit umwehten Gloria (Paulina García) von heute zu liegen. Die ist Ende fünfzig, geschieden, Sohn und Tochter sind lange aus dem Haus und auf ihr eigenes Leben bedacht, und das Männerangebot ist auch alles andere als rasant. Für Gloria bleibt gerade mal einer wie Rodolfo (Sergio Hernández) übrig. Ein Mann, der sich erst mal – ratsch! – eine Art Korsage vom Körper reißt, als die beiden im Bett landen. Über kleinere körperliche Gebrechen wie diese kann Gloria noch hinwegsehen, weniger gut kommt sie damit zurecht, dass Rodolfo losrennt, wenn seine Ex oder die beiden erwachsenen Töchter mit den Fingern schnippen...

Die Tragikomödie des Chilenen Sebastián Lelio hat die Filmkritiker am Sonntag doppelt beglückt. Am Ende haben sie im Berlinale-Palast gestanden und zum Abspann Umberto Tozzis „Gloria“ mitgesungen; auf der Pressekonferenz waren sie dann überwältigt vom Charme und von der Schönheit Paulina Garcías. Die, darin war man sich einig, einen Silbernen Bären gewinnen wird. Nein, muss. Tatsächlich ist es ein enormes Vergnügen, der Chilenin dabei zuzusehen, wie sie sich diesen Rodolfo wieder vom Hals schafft. Mit dem sie sich ja sowieso nur eingelassen hat, weil nichts Besseres zu haben war! Zum Schluss ballert sie, und damit kriegt Lelio elegant die Kurve zu Cassavetes, mit der Paintball Gun auf Rodolfos Eigenheim, aus dem prompt die Ex und die Töchter herausstürzen. Das ist befreiend komisch – diese Frau, das weiß man jetzt, wird ihre Zeit nie wieder an eine traurige Figur wie Rodolfo verschwenden.

Termine Heute, Friedrichstadtpalast. 9.30 Uhr; Odeon, 18.30 Uhr; Haus der Festspiele, 17.2., 19.30 Uhr