Ausstellung

Trash Pop aus einem Studentenzimmer

James Franco zeigt seine Werke „Gay Town“. Doch Pop Art sieht anders aus

Die junge Bloggerin setzt sich auf den Boden der temporären Dependance der Galerie Peres Projects in der Karl-Marx-Allee. Ihren norwegischen Rucksack hat sie in die Ecke gestellt und jetzt macht sie ernsthaft Fotos von James Francos Schuhen. Das sind ganz normale, braune Wanderstiefel. James Franco, das ist eigentlich ein Schauspieler. Die meisten kennen ihn bestimmt als Harry aus den neueren Spidermanverfilmungen mit Tobey Maguire. Aber jetzt zeigt diese Galerie seine Ausstellung, die „Gay Town“, also schwule Stadt heißt. Was ja gut zu Berlin passt. Der bekannteste Club der Stadt stammt aus der schwulen Subkultur, der noch amtierende Bürgermeister ist schwul. Eigentlich könnte sich die PR-Ateilung der Stadt mal so eine Berlin-Kampagne ausdenken. „Be Berlin – Be Gay“.

Natürlich kommen mehr Leute zu durchschnittlichen Bildern, wenn sie von einem berühmten Schauspieler angefertigt worden sind. Aber so voll? Francos Arbeiten sind dabei nicht besonders schlecht. Was aber einfach fehlt, ist eine Position, eine Aussage. Gehen wir durch die Räume, sehen wir Videoinstallationen von einem lesenden Franco. Auf Teppich gedruckt, lesen wir einen Ausschnitt eines Artikels auf einer Internetseite, der sich mit Franco beschäftigt. Und der Künstler Franco schreibt da jetzt einfach „Fuck“ drauf. Auf Zeilen von Drehbüchern kritzelt er den Namen „Sean Penn“, mit dem hatte er im Film „Milk“ eine Liebesaffäre und darunter „Ulysses“.

Das erste Problem ist, dass nicht aus allem lässige Pop Art entsteht, sobald man „Fuck“ draufmalt. Das zweite ist, dass Francos Haltung, seine Intention gar nicht deutbar ist. Das ist ein bunter Haufen Trash-Pop, ohne eine Linie, ein pubertäres Gewusel wie aus einem Studentenzimmer. Der jung verstorbene Künstler Dash Snow hat auch auf viele Sachen „Fuck“ geschrieben. Er hat sich und seine Freunde beim Sex fotografiert. Hat auf Zeitungsausschnitte ejakuliert. Und diese Spermacollagen sind nach seiner Überdosis zur Anlage geworden. Sie hatten eine eigene Aussage, eine aggressive Härte. „Fuck You“ war bei Snow keine süße Bildmarke, sondern Aufschrei. Ein Angriff auf die weiße, reiche Oberschicht Amerikas, aus der er selbst entsprang – und schließlich ein für alle Mal ausbrach.

Vielleicht mag der Galerist Javier Peres Francos Arbeiten, weil er ein bisschen seinen alten Freund Snow in ihm sieht. Auf dem Sundance Film Festival zeigte Franco seinen Film „Interior. Leather Bar“. Eine Studie aus den Darkrooms und den Ledersexclubs. Das ist relevanter als Spiderman und Schmuddelwörter auf Teppich oder Leinwand.

Aber jetzt, wie er da mit dem Galeristen zusammen steht und so redet wie ein kalifornischer Kiffer, ganz langsam, und er sagt ganz oft „like“ und „you know“, einmal stößt er sogar auf, und die jungen Frauen versuchen jeden Moment seiner Präsenz in sich aufzusaugen, da fragt man sich schon, was das hier soll.