Popkritik

Paul Banks – schöne Stimme macht noch kein gutes Konzert

Paul Banks, das ist der Frontman der New Yorker Gruppe Interpol. Von denen die meisten sagen, sie singen so wie Joy Division. R.E.M. haben ihre Ballade „NYC“ gecovert. Wie der Gitarrist die Bühne betritt, so ein spanisch anmutender Amerikaner mit Bart und Bauch, spielt er natürlich ein spanisches Riff,, tangohaft und sehr sexy. Da kommt noch ein Typ, der einen Synthesizer bedient. Es gibt einen Schlagzeuger. Paul Banks wird angeleuchtet. Als einziger steht er in einem siebenstrahligen Lichtkegel.

Wir hören eine der schönsten Stimmen der kontemporären Pop-Musik. Tief. Irgendwas zwischen Bass und Bariton. Fast gehaucht am Anfang. Unsicher winden sich die Zeilen durch das Mikrofon und durch die Lautsprecher in die Ohren. „I see your face and I let you own me“, zehn Wörter singender Chronik der totalen Selbstaufgabe, um Teil eines „Wirs“ zu werden. Für 28 Euro werden noch Tickets an der Abendkasse ausgegeben. Ausverkauft ist anders und das ist schade, weil Paul Banks einer der wenigen musikalischen Erzähler ist, die im Sich-treiben-lassen noch souverän sind.

Banks wählt die Gestalt eines modernen Johnny Cash. Schwarz. Schwarz. Schwarz. Sonst nichts. Er ist sicher kein Virtuose am Instrument. Banks schubbert grob über die Saiten, seine Kopfstimme ist bestenfalls ok. Die Höhen krächzen, aber man glaubt, so und nicht anders gehört sich das. Deswegen ist das gut. Früher machte er unter dem Pseudonym „Julian Plenti“ Musik. Jetzt einfach nur noch „Paul Banks“. Die Fans rufen „Paul“, so richtig deutsch, wie wenn einer „Paul Breitner“ sagt. Banks liefert eine Inszenierung ab. Musikalisch perfekt, verpufft das Staunen über die Präzision bald in einem dahinleiernden Gefühl von Lifestyle-Melancholie. Weil die Songs nach dem gleichen Muster verlaufen. Ordentlicher Beat, markantes Gitarren-Spiel, wie von einem gradlinigen Bass, dazu Klimper-Träume-Töne vom zweiten Gitarristen und ein Wummer-Unteron-Gebrumme vom Bassisten. Siebzehn Mal nacheinander.