„Kebab Connection“

Mit dem Döner schnell nach Hollywood

Melodien und Rhythmen aus aller Migranten Länder: „Kebab Connection“ jetzt am Grips Theater

Einmal Döner mit alles: Liebe, Slapstick, Multi-Kulti und ein paar vorübergehende Katastrophen, das sind die Hauptzutaten für Anno Sauls „Kebab Connection“. Wobei es weniger um den Döner selbst geht, es sind die Menschen rund um Onkel Ahmets „King of Kebab“-Bude, die hier die Hauptrolle spielen. Das war schon in der Verfilmung von 2005 so, zu der Fatih Akin damals die Idee lieferte. Regie führte Anno Saul und der bringt das Ganze jetzt auch auf die Bühne des Grips Theaters. So etwas ist immer ein Risiko, zumal es Sauls allererste Regiearbeit fürs Theater ist.

Die Story selbst bleibt wie sie war: Onkel Ahmeds Neffe Ibo fühlt sich auserwählt, den ersten deutschen Kung-Fu-Film aller Zeiten zu drehen und startet erstmal mit dem Werbespot „Für zwei Handvoll Döner“, was Onkel Ahmeds Laden einen unerwarteten Besucherandrang beschert und Ibo die Illusion, dass Hollywood nach diesem Erfolg sich ja nun wohl mal melden müsste. Da eröffnet ihm seine Freundin Titzi dass er sich auf eine ganz andere Rolle einstellen muss, sie ist schwanger, er wird Vater. Was wiederum Ibos Vater Mehmet ganz und gar nicht lustig findet, er will kein deutsches Enkelkind und auch Titzis Mutter ist nicht gerade hilfreich in der Situation. Ihre einzige Bemerkung auf Titzis Eröffnung lautet nämlich: „Hast du schon mal einen Türken gesehen, der einen Kinderwagen schiebt?“

Was dann folgt, hat mit Culture-Clash-Komödie eigentlich gar nicht mehr viel zu tun, ab jetzt ist „Kebab Connection“ einfach ein Stück über junge Erwachsene, die plötzlich Verantwortung übernehmen müssen, über ihre Zweifel, ihre Träume. Und insofern im Grips Theater allerbestens verortet. Die Inszenierung, die im Abendprogramm läuft, ist übrigens die aufwändigste der aktuellen Grips-Spielzeit. Was daran liegt, dass fast das ganze Ensemble des Hauses auf der Bühne steht und zusätzlich noch drei Musiker, die Melodien und Rhythmen aus aller Migranten Länder beisteuern. Nicht jedoch daran, dass Anno Saul etwa mit besonders viel Film-Tam-Tam inszeniert. Ganz im Gegenteil, zwar merkt man an schnellen Schnitten, an Slow Motion oder Standbildern dem Regisseur seine künstlerische Herkunft durchaus an, aber er überträgt das Ganze sehr clever ins neue Genre: Wo der Film nämlich Filme zitiert, spielt und jongliert Saul auf der Bühne sehr kreativ mit den Mitteln des Theaters. Besonders überzeugend gelingt das in den Kung-Fu-Kampfszenen der Werbespots, bei denen Darsteller wie Schwerter nur deshalb in Zeitlupe die kühnsten Flugwege zurücklegen, weil sie von Helfern getragen und gehoben werden. Eine Illusion, die charmant ihre Mittel offen legt.

Nicht ganz so elegant gerät allerdings die Dosierung des Klamauks an diesem Abend. Da ist viel Komisches dabei, aber manches verrutscht zwischen einem allwissenden Imam, kiffenden Kumpels und geburtsvorbereitenden Hechelübungen doch arg ins Klischee. Zum Glück entschädigen die Darsteller für manchen schalen Witz. Sie brauchen dafür wenig Bühne und verteilen sich auf mehrere sparsam ausgestattete Spielflächen im Raum, der ringsum mit Großstadt-Reklame bepflastert ist. Nina Reithmeiers Titzi zum Beispiel ist ein hinreißend patentes Mädchen, leidensfähig, aber lebensfroh, die ihren Ibo, dem Robert Neumann viel träumerische Naivität angedeihen lässt, sanft in die richtige Richtung schubst. Erwähnenswert auch Thomas Ahrens in der Rolle von Ibos Vater Mehmet, wunderbar eingeklemmt zwischen seinem Verständnis als traditionsverhaftetes Familienoberhaupt und seinem großen Herzen. Am Ende mündet natürlich alles in ein heiteres Friede-Freude-Fleischtaschen-Finale.

Grips Theater am Hansaplatz, Altonaer Str. 22. Wieder heute, 19.30 Uhr.