Musik

Nun rumpeln sie wieder: Selig mit neuem Album

Wundersame Auferstehung der Hamburger Band

Es geht um die Schönheit des Moments, um das Vergessen von gestern. Erzählen zumindest die fünf Mitglieder der Band Selig, wenn sie über ihr neues Album „Magma“ sprechen. Schließlich waren die Zeiten für die Band aus Hamburg nicht immer rosig. Nach ersten Chart-Erfolgen in den Neunzigern mit der trüben Pennäler-Phantasie „Sie hat geschrien“, der Single „Ist es wichtig?“ und dem Album „Hier“ kam die Überheblichkeit: Suff und Drogen führten 1997 zum gescheiterten Elektro-Experiment „Blender“ und schließlich zum Zerwürfnis von Sänger Jan Plewka und Gitarrist Christian Neander. Fehlgeschlagene Soloprojekte, verpasste Chancen, falsche Entscheidungen folgten auf dem Fuße. Nahm aber niemand mehr wahr, außer vielleicht den gruseligen Auftritt von Plewkas Alibi-Rock-Band TempEau bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest.

Die wundersame Auferstehung der Band Selig rund zehn Jahre nach dem Auseinanderbrechen mit dem Album „Endlich unendlich“ kam einigermaßen überraschend. Mit „Magma“ veröffentlichen Selig nun ihr drittes Album seit der Wiedervereinigung im Jahre 2008. Geändert hat sich am Sound nicht viel. Noch immer walzt die Gitarre die polternden Rhythmen platt und noch immer stilisiert sich Plewka als Rio-Reiser-Erbe. Der Hau-Drauf-Song „Love & Peace“ sagt an, wie es hätte werden können: „Wenn Du die Welt nicht verändern kannst / Veränder Dich selbst“. Konsequent sind sie dabei nicht, noch immer lauert an jeder Ecke der ranzige Grunge-Rock, der allerdings schon nicht mehr nur etwas dem Zeitgeist hinterherhinkt, sondern von ihm längst aufgefressen wurde. Die beste Figur gibt Jan Plewka ab, der mit somnambulem Gesang über den penetranten U2-Stadion-Pop hinwegsehen lässt. „Nicht alles auf einmal / Ich verliere meine Mitte / Und das hatten wir schon mal“, singt er im Refrain und meint die dunklen Zeiten, in denen er den Lockungen des Rock-'n'-Roll-Lifestyles nicht widerstehen konnten. Die besten Momente hat „Magma“, wenn die Band ihren eiernden Blues-Riffs die Schwere nimmt. Das ist ganz am Ende so, wenn sich der Titelsong wie eine psychedelische Doors-Nummer aufbaut und sich in einem wuchernden Gitarrensolo verliert.

Selig: Magma (Universal)