Klassikkritik

Philharmonie: Eine unvergessliche Klavierschlacht

Des Guten kann niemals zu viel sein.

Das hat sich zweifellos auch Gustavo Dudamel, für vier Konzerte zurückgekehrt an die Spitze der Philharmoniker, sorgsam ausgedacht. An den Schluss seines Programms stellte er gleich zwei der populärsten (und kurzweiligsten) Tondichtungen von Richard Strauss, den „Don Juan“ und den „Till Eulenspiegel“. Begonnen hatte er mit einem anderen Bestseller, dem Grabgesang „Adagio für Streicher“ von Samuel Barber, in den sich einst Arturo Toscanini geradezu vernarrt hatte. Prompt klang er, bei aller Gegensätzlichkeit ihrer Lebensleistungen, bei den Beerdigungen von Roosevelt und Einstein auf. Mit diesen zehn Musik-Minuten wurde Barber unsterblich.

Gustavo Dudamel (32) ist inzwischen Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Diesmal hatte er sich mit einem Kollegen verbündet, der ihm in jeder Beziehung die Stange zu halten vermochte. Lang Lang hat sich in kürzester Zeit als Pianist einen unverlierbaren Namen gemacht. Diesmal spielte er mit unwiderstehlichem Feuereifer das 2. Klavierkonzert von Béla Bartók, das Bartók bei seinem letzten Auftritt in Deutschland am 23. Januar 1931 in Frankfurt unter Leitung von Hans Rosbaud uraufgeführt hatte. Von da an ging es für Bartók, wenn auch nicht künstlerisch, unaufhaltsam bergab. Er war so etwas wie der Unglücksrabe der Moderne: Am 14. Dezember 1903 hatte er sich als Zweiundzwanzigjähriger in Berlin bereits mit einem Klavierabend vorgestellt, 1926 kam in Köln sein Ballett „Der wunderbare Mandarin“ heraus, wurde aber sehr schnell wegen angeblicher Unzucht vom Oberbürgermeister der Stadt, einem gewissen Konrad Adenauer, verboten. Bartók entwich nach Amerika in seinen einsamen Tod. Nichts davon ist in seinem 2. Klavierkonzert zu hören. Es ist von Anfang beidhändig auf Welteroberungskurs und lässt davon mit keinen Takt ab. Selbst in das ausgedehnte Adagio mischt Bartók ein aggressives Presto, das herausfordernde Werk durchgehend auf Kurs zu halten. Von Dudamel und seinem Parade-Orchester dabei glänzend unterstützt, lieferte Lang Lang eine unvergessliche Klavierschlacht mit Bartók als dem unangefochtenen Sieger.