Klassik-Kritik

Tugan Sokhiev treibt mit Bravour „Iwan den Schrecklichen“ voran

„Iwan der Schreckliche“, die bittere Zaren-Geschichte, wuchs sich aus unter Stalins misstrauischen Blicken zu einer dreiteiligen Film-Serie, von der aber der Schlussteil nicht mehr gedreht wurde.

Am Ende sah sich das Werk in eine Art weltliches Oratorium verwandelt. Es gehörte nicht mehr ins Gesamtwerk Eisensteins, sondern in das von Prokofjew. Er hatte die Filmmusik geschrieben, die aber nicht für den Konzertsaal taugte. Man musste sie umarbeiten. Dazu fand sich Abram Stassewitsch bereit, der die Filmmusik einst dirigiert hatte. Doch darüber waren viele Jahre vergangen. Eisenstein war tot, Stalin auch und zwar war er am selben Tag wie Prokofjew gestorben. Der unternehmungslustige Tugan Sokhiev hat das Oratorium nun mit dem Deutschen Symphonie-Orchester in der Philharmonie aufklingen lassen und sich dabei fabelhafter Helfer bedient.

Zum Rundfunkchor unter Tobias Löbner traten die Knaben des Staats- und Domchors, von Kai-Uwe Jirka musikalisch betreut, und trotz des auskomponierten mörderischen Geschehens im blütenweißen Unschuldshemd. Tugan Sokhiev peitschte es das Werk mit bitterer Bravour durch. Das gelang wunderbar, vor allem auch wegen der beiden eingeflogenen exzellenten Solisten. Olga Borodina entlockte ihrem schier bodenlosen Mezzosopran alle Würze der Düsternis. Nicht weniger bewunderungswert agierte der schlanke Bass von Ildar Abdrazakov. Wladimir Kaminer hatte die Rolle des Sprechers übernommen und trieb sie leider vor dem Mikrofon immer wieder an den Rand der Unverständlichkeit.