Konzert

Abschiedsständchen für Komponist Hans Werner Henze

„Zum Gedenken an Hans Werner Henze“, den bedeutenden, im Herbst des vergangenen Jahres in Dresden verstorbenen Komponisten, hatten sich zu einem pausenlosen, zweistündigen, wahrhaft unvergesslichen Erinnerungsfest in der Deutschen Oper die Musikstätten und Ensembles der Hauptstadt zusammengeschlossen.

Staatssekretär André Schmitz leitete das Programm mit einer schnellen Ansprache ein, dann übernahm Volker Schlöndorff für längere Zeit das rundum erhellende Wort und zeichnete ein Bild seiner wiederholten, stets geistreichen cinematographischen Zusammenarbeit mit Henze, der für den jungen Regisseur die Musik zu mehreren Filmen schrieb. Danach übernahm die wundervolle Martina Gedeck, gemeinsam mit Jürgen Flimm, die auszugsweise Lesung des unerhört eindringlichen Briefwechsels Ingeborg Bachmanns mit Henze.

Begonnen hatte Donald Runnicles das Gedenkfest mit Mozarts Ouvertüre zur „Zauberflöte“, vorgetragen vom Orchester der Deutschen Oper, das die Feierstunde mit der letzten Henze-Komposition beschloss: der „Ouvertüre zu einem Theater“, von der Deutschen Oper zur Hundertjahr-Feier des Hauses bei Henze in Auftrag gegeben. Zur Uraufführung hatte Henze schon nicht mehr anreisen können. Dazwischen erklangen Henzes „Quattro Fantasie“, vom Berliner Scharoun-Ensemble aufs Schönste, Verständigste und Kenntnisreichste vorgetragen. Dann aber war die Reihe an dem Henze gewidmeten Streichquartett Nr. 2 („Pas de Quattre“) von Detlev Glanert, eine vorab geschriebene Trauermusik, komponiert auf die lang anhaltende, lebensbedrohende Krankheit des Meisters aus den Vorjahren: Ein Werk tiefer Freundschaft und schier einzigartigen Verständnisses von Henzes künstlerischer Einzigartigkeit. Das Adamello Quartett trug es in Makellosigkeit vor.

Was aber vor allem heraussprang bei diesem Programm der vielen Wunder war die Einzigartigkeit der Erkenntnis von Henzes Hingabe an Ernst und Ehrlichkeit des Komponierens, der Eindringlichkeit des musikalischen Vortrags, der Sonderstellung Henzes in der Geschichte der deutschen Musikmoderne. Das sprang unüberhörbar aus diesen einzigartigen Gedenkstundengebet heraus.