Kino

Katastrophen, Klassiker und singende Stars

Leonardo DiCaprio als „Großer Gatsby“, Daniel Brühl als Niki Lauda: Das Kinojahr 2013

Der Zahn der Zeit nagt an Vampiren. Das neue Jahr gehört den Zombies. Zumindest auf der Leinwand. Natürlich gibt es auch wieder zahlreiche Filme mit der Zahl hinter dem Titel: die x-te Fortsetzung eines Erfolgs. Das Kino lockt aber auch mit zahlreichen Innovationen. Und vielen Stars in für sie ungewohnten Werken. Wir haben uns mal umgeschaut, was das Kinojahr 2013 so alles bringt.

Weltuntergänge ohne Ende

Der Maya-Kalender mit der Apokalypse Ende 2012 hat sich nicht bewahrheitet. Im Kino aber wird weiter an großen Untergängen gearbeitet. Roland Emmerich, der Master of Desaster, hat es diesmal „nur“ auf das Weiße Haus abgesehen: In „White House Down“ (19. September) muss Channing Tatum den schwarzen Präsidenten Jamie Foxx vor bewaffneten Angreifern beschützen. „The Impossible“ (31. Januar) mit Ewan McGregor und Naomi Watts spiegelt noch einmal das weltweite Trauma vom Tsunami 2004 wieder. Die ganz großen Katastrophen beschwören uns in diesem Jahr aber die Körperfresser: In „World War Z“ (27. Juni) muss Brad Pitt seine Familie vor einer Zombie-Invasion schützen. Tom Cruise rettet im Science-fiction-Knaller „Oblivion“ (11. April) das, was von der Erde übrig blieb, gegen Aliens – und kämpft damit auch gegen die „Alien“-Saga an. Auch Will Smith kehrt in „After Earth“ (13. Juni) auf eine längst zerstörte Erde zurück – und muss sich von seinem eigenen Sohn Jaden Smith aus der Klemme helfen lassen.

Stars in ungewohnten Rollen

Brad Pitt in einem Zombiefilm: Das bleibt nicht der einzige ungewöhnliche Starauftritt. Denzel Washington, der Inbegriff des guten Amerikaners, wird in „Flight“ (24. Januar) erst als Held gefeiert, weil er bei einer Flugkatastrophe das Schlimmste verhindert, und dann an den Pranger gestellt: weil der Pilot Alkohol im Blut hatte. Johnny Depp ist es inzwischen offensichtlich selber leid, immer nur als Käptn Sparrow durch die „Fluch der Karibik“-Filme zu stolpern. Mit „Fluch“-Regisseur Gore Verbinski geht er nun im Westernfach fremd: als indianischer Sidekick des Zorro-Verschnitts „Lone Ranger“ (8. August). Auch Christoph Waltz verschlägt es in Tarantinos „Django Unchained“ (17. Januar) ins amerikanischste aller Genres. Tom Hanks kämpft in „Captain Philipps“ (17. November) gegen somalische Piraten. Der größten Herausforderung des Jahres aber stellen sich Hugh Jackman, Anne Hathaway und Russell Crowe: In der Verfilmung des Musicals aller Musicals, „Les misérables“ (21. Februar) spielen sie nicht nur – sie singen auch.

Lincoln, Hitch & Niki Lauda

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Weshalb es auch wieder eine Reihe von Biopics, also Filmbiographien gibt. Anthony Hopkins schlüpft bis zur Unkenntlichkeit in die Maske des Master of Supsense in „Hitchcock“ (7. Februar), Daniel Day-Lewis wird in Spielbergs „Lincoln“ (24. Januar) geradezu zum Inbegriff des US-Präsidenten. Wobei beide Filme nicht ein ganzes Leben bebildern, sondern ihr Wesen in einer wichtigen Phase ihres Lebens komprimieren. Paul Thomas Anderson und seinem Darsteller Philip Seymour Hoffman gelingt in „The Master“ (21. Februar) eine Metapher auf Scientology, ohne Ron Hubbard direkt beim Namen zu nennen. Und mit Spannung darf man das Rennduell zwischen Daniel Brühl und Chris Hemsworth als Niki Lauda und James Hunt in Ron Howards Formel-1-Drama „Rush“ (3. Oktober) erwarten.

Der Film zum Buch

Die zweitbesten Geschichten schreibt immer noch die Literatur. Auch wenn man sich in letzter Zeit eher an die Verfilmung von Comicheftchen hielt, wagt man sich auch wieder an große Romane. Wie man einen schmalen „Hobbit“-Band zu drei Dreistündern aufblasen kann, darüber gab es schon Ende 2012 hämische Kommentare. Leonardo DiCaprio aber wagt sich nun in Baz Luhrmanns „The Great Gatsby“ (16. Mai) an einen der wichtigsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Und muss sich nicht nur an dem Vorlagenautor F. Scott Fitzgerald messen lassen, sondern auch an Robert Redford, der ihn in der berühmten Verfilmung von 1974 spielte. Das Problem hat Jeremy Irons nicht: Bille Augusts „Nachtzug nach Lissabon“ ist die Erstadaption des Weltbestsellers, von dem aber auch Millionen Leser ihre eigene Vorstellungen haben. Hannah Herzsprung testet in der Hagena-Adaption den „Geschmack von Apfelkernen“ (26. September). Wie man einen alten Klassiker ins Gegenteil verkehren kann, demonstriert „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (28. Februar): In der Fantasy-Komödie machen Jeremy Renner und Gemma Arterton als die berühmten Geschwister Jagd auf Hexen. Mit allem, was an Waffen zur Verfügung steht.

Die Twilight-Lücke

Nachdem Robert Pattinson und Kristen Stewart sich endgültig die ewige Liebe in „Twilight“ schworen, muss im neuen Jahr die klaffende Vampirzahnlücke gefüllt werden. Dafür setzt das deutsche Kino nun auf Kerstin Giers Trilogie „Liebe geht durch alle Zeiten“. Keine Blutsauger: Diesmal verliebt sich eine 16-Jährige auf einer Zeitreise in einen jungen Mann aus dem London um 1900. Teil 1, „Rubinrot“, startet am 14. März, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ werden folgen. Und die Newcomer Maria Ehrich und Jannis Niewöhner sollen die deutsche Version von Pattinson & Stewart werden – hoffentlich bleiben ihnen deren echte Liebesquerelen erspart. Dann gibt es noch den Franchise aus dem Vorjahr: „Die Tribute von Panem“ geht am 28. November in die zweite Runde. Und die ultimative Parodie auf „Twilight“ verspricht „Warm Bodies“ (21. Februar): Hier verliebt sich ein Mädchen in einen Zombie, der sie vor gleichgesinnten Körperfressern rettet. An Blässe nimmt es Nicholas Hoult locker mit Pattinson auf.

Teil 2, Teil 5 etc.

Sie dürfen natürlich nicht fehlen: In Zeiten der Krise setzt das Filmbusiness weiter auf Titel, die schon ein-, zweimal Kasse machten. Wir werden in diesem Jahr einen dritten „Hangover“, ein fünftes „Scary Movie, ein sechstes „Fast & Furios“, auch ein zweites „Kokowääh“ usw. erleben. Der Star der Fortsetzungsmanie ist Bruce Willis, der gleich zum dreifachen Wiedergänger wird. In „R.E.D. 2“ (12.9.) führt er einmal mehr die Rentnergang ehemaliger Agenten um Helen Mirren, John Malkovich und diesmal auch Anthony Hopkins an. Im Söldnereinsatz „G.I. Joe - Die Abrechnung“ (28.3.) ist Willis der Neuzugang in der Elite-Crew aus dem ersten Film. Am meisten wird man sich aber wohl auf seinen fünften „Stirb langsam“-Einsatz „Ein guter Tag zum Sterben“ (14. Februar) freuen, in dem er in seiner Paraderolle als John MacLane diesmal Moskau plattmacht – und einen von Sebastian Koch gespielten Russen rettet.

Comebacks des Jahres

Nachdem so ziemlich alle Comichelden ausgereizt sind, beginnt man nun die alten Geschichten noch mal neu zu erzählen. Nach dem sogenannten Reboot von „Spider-Man“ 2012 steht nun mit „Man of Steel“ (20. Juni) bereits der zweite Neuanfang von Super-Man an. Ob der Brite Henry Cavill dem Vergleich mit Christopher Reeve standhalten kann, bleibt abzuwarten: Als Batman- und Bond-Kandidaten wurde er abgelehnt. Und auch der Ex-Politiker Arnold Schwarzenegger kehrt auf die Leinwand zurück: In „The Last Stand“ (31. Januar) nimmt er wieder die Wumme in die Hand, und in „The Tomb“ (10. Oktober) kämpft er gar Seit’ an Seit’ mit seinem ehemaligen Actionfilm-Konkurrenten Sylvester Stallone. Ob er allerdings für den fünften „Terminator“ gewonnen werden kann, darf bezweifelt werden. Vielleicht sollte sich Arnie in Sachen 5. Teil von Bruce Willis beraten lassen.