Krimi

Ein Polizist ermittelt in der trägen Hitze des Mississippi

Der Detektiv kommt zum Haus des Verdächtigen.

Er fragt die etwas mitgenommene Ehefrau, ob er reinkommen dürfe. Sie reden über Fernsehempfang, und warum man das Gerät fürs richtige Leben brauche, und der Detektiv meint, in der Frau eine frühere, sehr viel schönere Version zu erblicken. Die Frau schickt ihm Signale, er ignoriert sie und repariert lieber das Antennenkabel. Dann kommt der Nachbar und sagt, sein Boot sei verschwunden. Und erst das bringt den Polizisten zurück und bald in die Sümpfe hinter St. Bruno im Mississippi-Delta. Der Name des Polizisten ist Rene Shade, Ex-Boxer, einer, der gelernt hat zu verlieren. In Daniel Woodrells Bayou-Trilogie „Im Süden“ geschieht das Verbrechen eher beiläufig, und Rene Shade trottet mehr hinterher, als dass er läuft. Trägheit und Hitze prägen das Land.

Dennoch sind die drei Bücher ein wunderbarer Trip an den großen Fluss, der die USA teilt, und in die Seelen der Menschen, die das Glück eher aus dem Fernsehen kennen. Vom Viertel Frogtown wissen sie, dass der Name etwas mit den Franzosen zu tun hat. Hier wohnen kleine und mittelgroße Gangster, hängen in den Bars rum, spielen Karten und fahren dann und wann mit ihren Pick-ups an den Mississippi, um Tote mit Steinen beschwert reinzuwerfen. In „Cajun Blues“ wird ein Unternehmer ermordet, als er gerade am Fernseher das Programm wechseln will. Damals gab es offenbar noch keine Fernbedienung, das Buch erschien 1986. In „Der Boss“ gerät Shade zwischen eine Bande Krimineller und die Polizei. „John X“ handelt von seinem Vater, ein alter Säufer, der mit seiner Tochter nach St. Bruno zurückkommt und niemandem erzählt, dass ein Killer hinter ihm her ist.

Daniel Woodrell: Im Süden Heyne, München 656 Seiten, 10,99 Euro