Geschichte

Wie große Feldherren ihre Heere in den Krieg führen

Die Deutschen haben nie zum Stamm Uncle Tobys gehört, des pensionierten Soldaten aus Lawrence Sterns „Tristram Shandy“, der berühmte Schlachten im Sandkasten nachstellte.

Ein pragmatisches Verhältnis zum Krieg? Hierzulande wird er vor allem als moralisches Problem rezipiert. Raimund Schulz, der in Bielefeld Alte Geschichte lehrt, orientiert sich am angloamerikanischen Forschungsstand, wo man wissenschaftlicher Neugierde nachgeht, ohne sich vorher moralisch abzusichern. Doch woran es fehlt, und da hat der Autor recht, ist das Einbinden der pragmatischen Militärhistorie in die Geschichte der politischen, wirtschaftlichen, sozialen Entwicklung. Es ist daraus ein überaus lesbares Buch geworden. Die großen Epen der Antike rücken keineswegs ferner, wenn man sie auf dem Hintergrund von Sozialstruktur und Politik, Stand der Technik, geografischen Daten und Logistik erzählt.

Wie erhellend das sein kann, exemplifiziert Schulz am Kriegsbild bei Homer und in der Analyse des Peloponnesischen Kriegs. Er würdigt den Großen Alexander und begleitet Rom bis zum Untergang des Westreichs. Form des Krieges und Art der Kriegsführung spiegeln die Gesellschaft, der sie entspringen. Während etwa die Helden Homers im Zweikampf Mut und Tapferkeit bewiesen, galten in der hoplitischen Phalanx andere Tugenden: Ausdauer vor allem. Detailgesättigt nähert sich die Studie Alexander dem Großen, der ein Genie war nur insoweit, als er die Schwäche seiner Gegner nutzte. Ansonsten war er stets im Kampfgetümmel, also ohne Überblick. Erst später entwickelte sich mit Cicero eine Theorie des „gerechten Kriegs“ und mit Augustinus eine Basis für die rechtliche Einhegung des Krieges.

Raimund Schulz: Feldherren, Krieger und Strategen. Klett-Cotta, Stuttgart. 629 Seiten, 32,95 Euro.