Kunstsache

Mister Monk und die US-Flagge

Gabriela Waldes wöchentlicher Streifzug durch die Berliner Galerien

Monk?! Da denkt Emma gleich an den höchst skurrilen, hoch neurotischen Privatdetektiv aus der gleichnamigen US-Serie. Eines hat er allerdings mit Jonathan Monk gemeinsam: einen herrlich abgründigen Humor. Wie der Künstler Monk sich so benimmt, wissen wir zwar nicht, nur dass er schon Jahre in Berlin lebt und arbeitet.

Er wirft einen etwas schrägen Blick auf die Kunstgeschichte und kokettiert frech mit der Konzeptkunst. Er bändelt heftig an mit Marcel Duchamps und dessen Idee des Ready Mades, er hängt verstorbene Künstler wie Donald Judd kurzerhand in beleuchtete Werbungskästen an die Wand und lässt Dan Flavin unzüchtig flimmern. „Sex Kino“ steht in klassischer Neonschrift am Galeriefenster. Die Arbeit hatte Monk mal ortsspezifisch gegenüber eines Sexkinos installiert. Nur: Hier gibt es keine reale Spieglung auf der Straße gegenüber. Kurzerhand knöpft sich Monk also das Material anderer Künstler vor und verwandelt es in eigenes Material. So gesehen macht er Kunst über die Kunst, und das auf intelligente wie spielerische Weise. Jasper Johns gemalte „heilige“ US-Flagge, eine Ikone, ist bei Monk auch nicht mehr das, was sie mal war, sondern ziemlich zerfleddert. Meyer Riegger zeigt mit „Who ate all the pies“ eine kleine, feine Retrospektive seiner Berliner Arbeiten, Bekanntes wie Neues. Werke, die alle schon einmal in Ausstellungen oder auf Messen zu sehen waren.

Monk nimmt nämlich den Ausstellungsbetrieb und ja, die Produktion, selbst auf die Schippe. Das Bild vom romantischen Künstler, der halb wahnsinnig ständig aus sich schöpft, Tag und Nacht, und deshalb anders ist als Mister Normalo. Sich selbst zeigt er im „American Selfportrait“ – als Homer von den Simpsons. Der ist bekanntlich faul, politisch unkorrekt, nicht immer ganz flott im Kopf, genau das, was gute Künstler nun wirklich nicht auszeichnet. Selbstkritik ist der beste Weg zur Besserung, lacht Emma. (Meyer Riegger, Friedrichstr. 235. Auf Anfrage: Tel. 31 56 65 67)

Da ist Stanley Brouwn von anderem Kaliber. Der gute Mann versteckt sich hinter seinem Werk, ganz bewusst. Kein Pressematerial gibt’s über ihn, keine Interviews, keine Fotos. Ein einziges finden wir im Netz, nicht viel bei einer Künstlerkarriere von bald 50 Jahren. Es muss Jahrzehnte alt sein, der Künstler, Jahrgang 1935, zwinkert uns vielsagend zu und hebt den Daumen. Auch Publikationen sind rar, nur Künstlerbücher finden wir, die der Niederländer gestaltet hat. Kein Wunder, dass Brouwn nicht sonderlich bekannt ist. Er begann in den Sechzigern, legte Papier in einer Fußgängerzone aus, über das Passanten stolzierten. Später bezeichnete man solche Aktionen als Konzeptkunst. Seine Abwesenheit ist Konzept, seine Präsentationen sind radikal. In den Räumen bei Konrad Fischer empfängt uns nahezu weiße Leere. Brouwn beschäftigt sich mit metrischen Einheiten – als Symbol für heutige Ordnungssysteme. Die zwei Aluminiumstäbe auf dem Boden messen 1,26 Meter. Sich selber bringt er mit ein: seine Fußlänge beträgt 26 Zentimeter, geschätzt Schuhgröße 41/42. Dieses subjektive Künstlermaß hat er gen „Nord-Süd“ und „Ost-West“ ausgerichtet. Früher orientierte sich der Mensch am Fuß und an der Elle, Brouwn sammelt diese alten Einheiten. Mit dem Bleistift hat er die heute nicht mehr gebräuchliche portugiesische Einheit Covada aufgezeichnet, daneben das äthiopische Maß Pikhalebi. Die indische Einheit Guz besteht aus weiß gerahmtem Papier, der reine Zuschnitt also. Reduktion total. „Irgendwie“, findet Emma, „tut diese Entleerung dem Auge gut.“ (Konrad Fischer, Lindenstr. 35. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 12. Januar)