Klassik-Kritik

Philharmonie: Die Schönheit der Kammermusik

Im großen Haus der Philharmonie hat Kammermusik im Grunde wenig zu suchen. Und dennoch ist das Konzert der beiden Damen Sol Gabetta, Cello, und Hélène Grimaud, Klavier, bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Es setzt am Beginn ein großer Beifall für die beiden Interpretinnen ein; ein Vorschuss des Publikums, der sich im Laufe des Abends als gerechtfertigt herausstellt. Denn die Damen ergänzen sich vorzüglich. Sie biedern sich keine Sekunde lang an. Sie setzen nicht auf den Imponiereffekt, sie bleiben Note für Note den Meistern treu, die sie hinreißend interpretieren. Und das sind nicht wenige an diesem Abend. Das Programm beider Damen nimmt sich aus wie ein schneller Querschnitt durch die Kammermusik für Cello und Klavier. Am Anfang stehen Schuman und Brahms, gefolgt von Schostakowitsch und Debussy. Was will man mehr?

Ein großer Glanz aus Innen

Die ganze Ausdrucksskala des 19.und 20. Jahrhunderts wird leichthändig aufgedeckt, die reiche Kunst der Gegensätze wird temperamentvoll und einsichtig wie beiläufig ausgestellt. Die beiden Damen führen (außer ihren wundervollen Kleidern, Mademoiselle Grimaud, ganz in Schwarz, trägt eine Art Frack aus leicht dahinwehendem Chiffon) wie beiläufig vor, wie Perfektion klingt. Sie ist, wie der Dichter sagt, immer „ein großer Glanz aus Innen“. Gabetta und Grimaud liefern ihn leichthändig ab. Und dies auf Anhieb. Sie stellen die „Fantasiestücke“ op.73 von Robert Schumann an den Beginn des Konzerts. „Lebhaft leicht“ soll das zweite von ihnen gespielt werden. Aber wie kommt ein zartes Streichinstrument wie das Cello gegen das durchsetzungsfrohe Klavierspiel einer Tastenmeisterin an? Ganz einfach: Hélène Grimaud spricht ihren Klavierpart wie mit Engelszungen.

Die beiden Musikerinnen verstehen einander, sie nehmen Rücksicht auf einander. Sie lassen einzig Schumann vorpreschen und zwar auf die denkbar sanfteste Art. Einen Höhepunkt ihres Konzerts erreichen sie fraglos mit der Interpretation der Sonate c-Moll von Johannes Brahms. In tiefer Versunkenheit hebt das Cello an. Es braucht drei Sätze bis sich das musikalische Geschehen in das übermütig dahinstürmende Schluss- Allegro hinaufstürmt. Danach kommt die Pause dem Publikum gerade zurecht, um sich von den vorangegangenen Beifallsstrapazen ein wenig zu erholen.