Personalie

Louvre ohne Chef

Henri Loyrette, Direktor des Pariser Museums, ist die Lust vergangen

Das berühmteste und meistbesuchte Museum der Welt bekommt bald einen neuen Chef. Nach zwölf Jahren an der Spitze des Louvre hat dessen Direktor Henri Loyrette bekannt gegeben, dass er sich nicht um eine Verlängerung seines Vertrages bemühen wird, der im April ausläuft. Über die Hintergründe der Entscheidung wird spekuliert, doch die anstehenden massiven Etatkürzungen im Kulturetat dürften auch den Louvre empfindlich treffen. Zahlreiche Projekte, die Loyrette angestoßen hat, werden im Zeichen der angespannten Haushaltslage vorerst nicht zu verwirklichen sein. Darunter die dringend benötigte Renovierung des zentralen Eingangsbereiches unter der Glaspyramide des chinesischen Architekten I.M. Pei. Pei hatte das Entrée des Museums in den Achtzigerjahren als Ort der Ruhe und Sammlung konzipiert. Doch jährlich neun Millionen Besucher machen aus dem Atrium inzwischen eine wuselige Bahnhofshalle mit unzureichenden sanitären Anlagen.

Henri Loyrettes Pläne, den zentralen Zugang zum Museum neu zu gestalten, sind aber mit dem drastisch reduzierten Budget nicht mehr zu realisieren. Bereits gestoppt wurde vom Kulturministerium wegen der schlechten Finanzlage das Projekt einer Umgestaltung der Außenmagazine des Louvre in Cergy-Pontoise, die Loyrette ebenfalls für das Publikum öffnen wollte. Ein Nachfolger für den sechzig Jahre alten Konservator und Kunsthistoriker, der sich zuvor als Degas-Experte und Leiter des Musée d’Orsay einen Namen gemacht hatte, ist noch nicht bekannt. Anscheinend hat man im Élysée die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den Museumsdirektor umstimmen zu können. Doch Loyrette hat Kulturministerin Aurélie Filippetti am Montag in recht deutlichen Worten mitgeteilt, er wolle sich künftig „anderen Aktivitäten widmen und den Louvre eine neue Seite seiner Geschichte aufschlagen lassen“.

Den Charakter der Institution hat Loyrette in den zwölf Jahren an der Spitze des Louvre behutsam geöffnet und modernisiert. Gerade in den vergangenen Monaten waren die Ergebnisse dieser Arbeit deutlich zu erkennen. Im September eröffnete im Visconti-Hof des Louvre die neue Abteilung für islamische Kunst unter einem spektakulär schwungvollen Glasdach des Marseiller Architekten Rudy Ricciotti. Und erst vor wenigen Wochen wurde im nordfranzösischen Lens in einem Bau des japanischen Architekturbüros Sanaa eine Filiale des Louvre eröffnet, die mit einem für Louvre-Verhältnisse ziemlich progressiven museumspädagogischen Konzept neue Besucherschichten erschließen will. Für 2015 dann ist die Eröffnung des Wüsten-Louvre in Abu Dhabi vorgesehen , der mit dem Geld des Emirates nach Plänen des Architekten Jean Nouvel entstehen soll. Loyrette hat den Namen des Louvre für dreißig Jahre an die Scheichs verpachtet.

Auch wegen derartiger Methoden, dem 1793 gegründeten Museum neue Einnahmequellen zu erschließen, galt Loyrette nicht nur als fähiger Museumsdirektor, sondern auch als erfolgreicher Leiter eines Unternehmens mit zweitausend Mitarbeitern.