Gedenken

Marcel Reich-Ranicki für „Rede des Jahres“ ausgezeichnet

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat für seine Ansprache zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus die Auszeichnung „Rede des Jahres 2012“ erhalten.

Die Rede im Bundestag sei „ein beeindruckender, kraftvoller und authentischer Beitrag zum Gedenken an den Holocaust in Deutschland“ gewesen, teilte das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen mit. Reich-Ranicki erinnerte in seiner bewegenden Rede am 27. Januar an die grausamen Taten der Nazis im Warschauer Getto. Er spreche nicht als Historiker, sondern „als ein Zeitzeuge, genauer: als Überlebender des Warschauer Gettos“, sagte er damals.

Die detailgetreue und von atmosphärischen Eindrücken durchzogene Erinnerung führe den Zuhörern „die Grausamkeit der Judenvernichtung direkt vor Augen“, urteilte die Jury. Reich-Ranicki verweigere sich „der konventionellen Gedenkrhetorik“ und verzichte auf Appelle, Mahnungen oder Forderungen. Sein Bericht zeichne sich durch „eine hohe Authentizität und emotionale Kraft“ aus. Die Sprachforscher vergeben die Auszeichnung seit 1998. Geehrt wurden bisher unter anderen Martin Walser, Joschka Fischer, Heribert Prantl und Papst Benedikt XVI.