Ausstellung

Der Maler des Lichts

Heinz Mack beleuchtet die Wüste und möbliert Fußgängerzonen. Jetzt stellt er in Berlin aus

Im silbernen Zweiteiler und mit blonder Robert-Redford-Tolle machte er eine gute Figur in der Wüste. Schon Ende der Fünfzigerjahre hatte der Künstler Heinz Mack ein erstes Manifest für sein Sahara-Projekt verfasst, aber erst 1967 konnte er es in Tunesien verwirklichen. Mack errichtete transparente Plexiglasskulpturen in den Dünen, die das brennende Sonnenlicht einsogen und als sublim artifizielles Gleißen wieder ausstießen. Er schwenkte lange Metallicfolien, in denen sich der tiefblaue Himmel und der hellbraune Sand spiegelten und die im Widerstreit von Licht und Schatten eine eigene Materialität zwischen Luft und Boden manifestierten. Für Mack war die Wüste der Ort schlechthin, ein Raum, der nur aus Licht zu bestehen schien.

Keine Angst vor grellen Farben

Der 1968 vom Saarländischen Rundfunk produzierte Film „Tele-Mack“, zurzeit in der Land-Art-Ausstellung „Ends of the Earth“ im Münchner Haus der Kunst zu sehen, dokumentiert die Aktion. Ganz selbstverständlich fügt sich Macks Arbeit in den Kontext einer Kunst, die den White Cube radikal verlassen wollte, um sich der Natur zu stellen. Mack ging es weniger brachial an als die US-amerikanischen Land-Art-Künstler wie Michael Heizer oder Robert Smithson, die das Hinterland mit Bulldozern traktierten oder den Niedergang der Industrielandschaften kommentierten.

Als Maler des Lichts präsentiert sich Heinz Mack nun in der Berliner Galerie Arndt. Der inzwischen 81-jährige Space-Age-Künstler von einst trägt seine weißen Haare zum sorgsam vom Nacken in die Stirn frisierten Markenzeichen und einen pinkfarbenen Pullover. Vor grellen Farben hat er keine Angst, und sein künstlerisches Selbstbewusstsein ist ungebrochen. Begriffe wie Gegenständlichkeit oder Komposition hatten für Mack noch nie Geltung. Expressive Empfindungsgestik weist er zurück. „Barnett Newman hat klipp und klar gesagt, die Kunst darf gar nichts darstellen. Sie darf höchstens sich selbst darstellen“, erklärt er inbrünstig und erinnert sich an eine Begegnung mit dem Vertreter der Farbfeldmalerei. „Das war aber viel mehr als l’art pour l’art. Newman ging es darum, dass der Begriff des Erhabenen tatsächlich nur der Kunst zugedacht wird. Einer Kunst, die vollkommen frei ist von subjektiven Emotionen. Und so radikal, um eine Freiheit zu erlangen, die Kunst erreichen kann, wenn sie in allerhöchster Form nur sich selbst genügt und dann doch den Anspruch beinhaltet, die ganze Welt zu vertreten.“

Diesen Weltvertretungsanspruch hat auch ZERO formuliert. Die Bewegung, die Mack 1957 mit Otto Piene in Düsseldorf gegründet hatte, etablierte im kreativen Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie eine der wichtigsten europäischen Nachkriegsavantgarden. ZERO veröffentlichte Streitschriften und eröffnete Lichträume statt Vernissagen. Mack entdeckte neue Materialien wie Acrylglas oder metallisch bedampfte Kunststoffe, die er zu kinetischen Skulpturen und Objekten verbaute. Nach dem Ende von ZERO 1966 zog er in seinem Sahara-Projekt noch einmal alle Register dieser Zukunftsästhetik. In Berlin präsentiert Mack, dessen Werke weltweit in mehr als hundert Museen vertreten sind, Stücke aus eigenem Besitz. Besonders die Objekte aus ZERO-Zeiten beweisen auch heute noch Innovativität und visuelle Frische. Die große Vitrine „Cabinet of Light Treasures“ von 1964 (Preis auf Anfrage) lebt vom bewegten Spiel der metallischen Köper und Spiegelflächen, die Macks Faszination für Lichtreflexionen zur Schau stellen. Seine nostalgisch wirkenden Leuchtboxen, flackernden Apparate und Metallreliefs (90.000 bis 260.000 Euro) rühren an unser Urinteresse an sich verändernden Mustern und schillernden Oberflächen, die sich selbst genügen. Reduziert minimale Wandobjekte wie „Weißes Relief“ von 1959 (270.000 Euro) konzentrieren unseren Blick auf die Helligkeitsabstufungen, die das Licht auf einer gewellten Fläche hinterlässt. „Kleine Wüste“ von 1964 (140.000 Euro) darf als strukturelle Studie für die Arbeit in der Sahara gelten. Auf dem Sandbild sind kleine Ausbuchtungen modelliert, die bei richtiger Beleuchtung Schlagschatten werfen, als abstrahiere das Tableau ein Ornament von Wanderdünen.

Lichtstele im Europa-Center

So gelungen diese Arbeiten mit dem experimentellen Raum sind, so oft ist Mack aber auch am konkreten Raum gescheitert. Er möblierte Fußgängerzonen mit steinernen Stelen, leuchtenden Obelisken und plätschernden Brunnen. Seine Lichtstele neben dem Berliner Europa-Center wird längst als Werbeträger missbraucht, die Gestaltung der Piazzetta am Kulturforum steht unter Kritik. Seit der Eröffnung der ZERO-Foundation 2009, der Auktion der privaten ZERO-Sammlung Lenz Schönburg 2010 und der großen Würdigung Heinz Macks durch die Bundeskunsthalle Bonn im letzten Jahr steht der Künstler nun auch wieder vermehrt im öffentlichen Interesse. Die Ausstellung in der Galerie Arndt fokussiert den eher transzendenten Mack, der mit Intellektualität und Spiritualität seit mehr als fünfzig Jahren unverdrossen dem Licht hinterherjagt.

„Heinz Mack in Berlin. Works from 1958 – 2012“ in der Galerie Arndt, Potsdamer Str. 96. Bis 28. Februar