Theater

Als Shakespeares Römer frech wurden

Frauenbewegt: Raffael Sanchez inszeniert „Coriolanus“ in den DT-Kammerspielen

Diejenigen, die behaupten, Shakespeare habe seine eigenen Stücke nicht geschrieben, argumentieren gerne, ein ungebildeter Bauernlümmel habe nie so viel Wissen über die Antike, Italien, Geographie und Politik besitzen können. Doch seine Bildung war für damalige Verhältnisse nicht so umwerfend. Bekanntlich ließ er die Römer Hüte tragen und verlegte Böhmen ans Meer. Und fast alles, was er über Rom wusste, hatte er aus den biografischen Miniaturen des Plutarch erfahren, der im gesamten zivilisierten Europa von der Renaissance bis in 19. Jahrhundert Schullektüre war, aber von ehrgeizigen Jungen auch freiwillig verschlungen wurde – Napoleon berauschte sich daran ebenso wie Schillers Karl Moor.

Dem Plutarch entnahm Shakespeare auch den Stoff zu „Coriolanus“. Und auch dort lässt er die römischen Plebejer ihre „Kappen“ in die Luft werfen, wenn sie einem politischen Antrag zustimmen. Erzählt wird die Geschichte eines großen Kriegshelden aus der Frühzeit Roms, der Ruhm, politischen Einfluss und zuletzt sein Leben verspielt, weil er vor lauter Adelsstolz unfähig ist, dem stinkenden Volk nach dem Maul zu reden. Bertolt Brecht schuf eine eigene Fassung des Stückes, in der er natürlich ganz auf der Seite der Brot fordernden Plebejer stand.

Doch nicht diese Version spielt das Deutsche Theater jetzt in seinen Kammerspielen, sondern eine neue des Dramatikers Andreas Marber. Regie führte Rafael Sanchez, einer von diesen nicht unbegabten jüngeren Regisseuren, denen aber meist nichts anderes einfällt, als die Klassiker mit ein paar Juxeinfällen zu verbasecappen. So lässt er die rein weibliche Darstellerriege zu Beginn erst mal ein halb laszives, halb karnevalsdebiles Tänzchen aufführen. Ungelöst bleibt auch das Rätsel, wieso die Damen gekleidet sein müssen wie Prostituierte.

Nach diesem blöden Anfang kann es nur noch besser werden. Und es wird. Auch weil Sanchez im Laufe der zwei Stunden offenbar zunehmend die flachen Ideen ausgegangen sind. Mehr und beschränkt er sich darauf, die Römer-Damen auf den Balken des Bühnenbildes von Simeon Meier turnen zu lassen. Jutta Wachowiak, die man nach langer Zeit wieder in ihrem früheren Stammtheater sieht, bringt das Kunststück fertig, trotz lächerlicher Ozzy-Osbourne-Perücke und Sonnenbrille einen ernst zunehmenden Aufidius, den großen Gegenspieler des Coriolanus, zu spielen. Und Judith Hofmann schafft es in der Titelrolle tatsächlich einen Konflikt zu zeigen und kein Kasperinnentheater.

DT-Kammerspiele, Schumannstraße 13a, Mitte. Termine: 17., 23. und 29. Dezember; 8., 15. und 24. Januar.Karten: 28441-225