Klassikkritik

Christian Thielemann setzt auf Franz Liszt und verliert

Pech für die Berliner Philharmoniker! Sie hatten auf die Suggestionskraft ihres Dirigenten Christian Thielemann gesetzt, und der ließ es daran auch nicht fehlen.

Sein Pech nur: Er hatte das Glück des Abends auf drei kleine Orchesterstücke von Franz Liszt gesetzt, darunter „Les Préludes“, das musikalische Heilsversprechen. Das bekam man zum Schluss des Abends noch einmal vor den Kopf geballert.

Dabei hatte das Konzert durchaus bezaubernd begonnen. Thielemann hatte Mendelssohn Bartholdys Ton–Poem von „Meeresstille und glücklicher Fahrt“ aufs Programm gesetzt, wie um nachzuweisen, was allerdings längst bekannt war, dass Mendelssohn ein Original-Genie war, Liszt – von seinem Klavierwerk einmal abgesehen- dagegen ein ziemlicher Versager, wenn er sinfonische Dichtungen schrieb. In ihnen ersetzte handwerkliches Geschick das kompositorische Genie. Man nimmt es mit einigem Erschrecken zur Kenntnis. Dagegen spielte Mauricio Pollini (71) Mozarts meistgeliebtes Klavierkonzert, das in C-Dur KV 467, mit der von ihm bekannten Finesse, Fingerfertigkeit und virtuosem Glanz und sah sich ehrfürchtig gefeiert.