Konzert

Klassik einmal anders: Vivaldis „Jahreszeiten“ mit Fagott und Laptop

Burak Özdemir ist ein Aufschneider, einer der sich mit fremden Federn schmückt.

Angeblich will er mit seinem Ensemble Musica Sequenza „The New Four Seasons“ im Radialsystem aufführen. Auf dem Plakat steht Vivaldi. Und Vivaldi ist dann auch drin in der Konzerthalle am Wasser, aber nicht wie vermutet eine Bearbeitung von „Le quattro stagioni“, sondern Kantaten von Vivaldi, zu denen der äußerst attraktive Türke Özdemir sein Fagott spielt. Er hat zu den Kantaten vier Gedichte mit den Überschriften Winter, Frühling, Sommer und Herbst geschrieben, also seine eigenen vier Jahreszeiten erschaffen. Heute würde man dazu remixen sagen. Und das mit dem Aufschneider hat er gar nicht nötig: UdK-Diplom, Auftritte auf der ganzen Welt.

Der Ärger, der keiner war, wird von den traumhaften Tönen Özdemirs vertrieben. Er beginnt, anders als erwartet, sitzend am Klavier. „Prélude Nr. VIII“, eine Eigenkomposition, daneben ein Laptop. Zarte Töne wie rieselnder Schnee fallen vom Klavier. Der Winter bricht herein. Der Rest des Ensembles betritt die Bühne. Neun Musiker, Girls und Boys von der Udk und der New Yorker Juilliard School. Das Cembalo hat etwas Heimeliges. Kammermusik eben. Özdemirs Kompositionen sind düstere, sexuelle Nachtskizzen eines jungen Mannes, der in New York, Istanbul und Berlin zu Hause ist. Mit Dj Ipek, einer Deutsch-Türkin, spielt er zwei letzte Stücke. „Drug Eradication“, die Ausrottung der Drogen. Eine Todessymphonie zu schweren Beats. Das Berghain ist ja gegenüber.