Kunstsache

Fotosafari durch das einsame Island

Gabriela Waldes wöchentlicher Streifzug durch die Berliner Galerien

Berlin ist eigentlich schön grün, noch dazu mit den vielen Seen drum herum, zumindest findet das Emma, meine Freundin. Ob sich Olafur Eliasson, weltweit einer der erfolgreichsten und wohl populärsten Gegenwartskünstler, in seiner Wahlheimat Berlin, der Natur so nahe fühlt wie daheim, bezweifeln wir. Der Mann lebt zwar seit Mitte der 90er Jahre hier (60 Leute arbeiten in seinem Studio am Pfefferberg), doch seine Wurzeln hat er in Island, und bekanntlich gibt es dort eine herrliche, sagenumwobene Natur mit vulkanischen Landschaften, vielen Gletschern, unbezähmbaren Flüssen, wilden Fjorden – und einer Weite, die manchem Städter wohl Angst macht.

Eliasson kehrt regelmäßig zurück in das Land seiner Eltern und auf diesen Ausflügen sind zahlreiche Fotoserien entstanden. Wasserfälle, Sonnenuntergänge, Regenbögen, das sind Naturerscheinungen, die ihn interessieren. Viele sind auch Thema seiner großen installativen Arbeiten. Emma erinnert sich an seine gigantische Sonne in der Turbinenhalle der Tate Modern in London. Über zwei Millionen Besucher pilgerten damals an das Haus an der Themse, um sich dort vom magisch-gelben Licht erwärmen zu lassen. Bei neugerriemschneider zeigt der Künstler zwei neue Serien: Die Vulkan-Serie ist wie ein Bilderbuch, das die größten Krater Islands zeigt, aufgenommen aus dem Hubschrauber, mit Schnee und Horizont und ohne, 63 an der Zahl. Verblüffend, von nahem ist das Ganze ganz klar eine Dokumentation, von weitem sieht es aus wie ein abstraktes Bild.

Die Hüttenserie, die in diesem Frühjahr aufgenommen wurde, ist eine leise Poesie der Einsamkeit. In den entlegensten Ecken des Landes fotografierte Eliasson jene solitären Hütten, die einst Schäfern ein Dach über dem Kopf gaben und heute als Notunterkunft für Wanderer und melancholische Seelenflaneure dienen. Erstaunlich, wie vielfältig die Architektur dieser Behausungen im Niemandsland sind, wie graphische Zeichen haben sie sich in die leere Landschaft eingeschrieben. (Linienstr. 155. Di-Sa 11-18 Uhr. Bis 26. Januar)