Klassikkritik

Leif Ove Andsnes spielt Beethoven voller Strenge

Gerade erst hat Leif Ove Andsnes nach langjährigen Studien seine Einspielung der Klavierkonzerte Beethovens veröffentlicht - und noch dazu unter eigener musikalischer Leitung.

Jetzt geht Andsnes mit seinen Einsichten aus dieser Zeit an die Öffentlichkeit. In seinem Konzert mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Leitung von Gianandrea Noseda spielte er das Konzert in c-Moll, das dritte in der bedeutenden Reihe, auf die deutlich bezwingendste Art. Vor einiger Zeit war Andsnes ja auch schon ein Jahr lang „Pianist in residence“ bei den Philharmonikern.

Inzwischen ist er 42 und auf dem Höhepunkt seiner Könnerschaft. Er verzichtet auf alles pianistische Geschmuse. Er zeigt sich als eher unromantischer klarer Charakter. Er durchleuchtet, was er spielt, nicht mit Gefühligkeit der romantischen Art, die immer gefällt, er geht gradlinig wie bei einer Uraufführung vor. Er spielt Beethoven mit Respekt und Genauigkeit, aber ohne künstlerische Anbiederei. Andsnes nähert sich ihm mit unüblicher Strenge und Eindringlichkeit. Es ist ohrenöffnend, ihm zuzuhören. Das Publikum folgte seinem Vortrag mit Wachheit und Bewunderung nach.

Das zu erreichen war Noseda, dem Dirigenten, im Anschluss nicht mehr möglich. Der hochtalentierte Unglücksrabe hatte die „Symphonische Fantasie“ des erst fünfundzwanzigjährigen Richard Strauss aufs Programm gesetzt, die man eigentlich nie mehr zu hören bekommt, seit Strauss Jahr für Jahr und Stück für Stück die Reihe seiner Meisterwerke veröffentlichte. „Aus Italien“, die kolossale dreiviertelstündige, partielle Nachbeterei von Berlioz und Liszt, kulminiert in einen Schlusssatz voller Zitatenseligkeit. Bei der Uraufführung 1887 in München unter Straussens eigener Leitung wurde dieser Satz schon in Grund und Boden gepfiffen. Dies Schicksal ersparte ihm diesmal Berlins Höflichkeit.