Opernkritik

Mahler im Kopfstand: Die Eröffnung eines kleinen Musiktheaters

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Klaus Geitel

Berlin hat ein neues Musiktheater.

Es findet sich im hintersten linken Teil der Deutschen Oper und schießt mächtig zum Himmel hinauf. Es diente einst dem Hause als Malersaal. Jetzt hat man den mächtigen Saal gründlich renoviert und ein stabiles Stahlgerüst Gerüst mit vierzehn Reihen hineingewuchtet. Von hoch oben sieht man zu seinen Füßen auf die kleine, flache Bühne hinunter. Immerhin hat sie Oliver Proske bei der Eröffnungspremiere geradezu zu verzaubern verstanden: „Mahlermania“ nennt sich das Uraufführungsspektakel, zu dem sich die Deutsche Oper mit dem Ensemble „Nico and the Navigators“ zusammenfand.

Es umkreist in völlig undurchschaubaren Anspielungen die schwierigen Verhältnisse zwischen Gustav Mahler und seiner Frau Alma: diesen tragischen Veitstanz der Liebe, der Mahlers Musik bis auf den heutigen Tag bewunderungswürdig befruchtet. Kein Wunder also: der Schwerpunkt des szenisch reichlich geheimnisvollen Geschehens liegt auf der Musik Mahlers und ein kleines, aus den Musikern der Oper gebildetes Orchesterchen unter dem ausgezeichneten Moritz Gnann spielt sie in ihren wechselnden Bearbeitungen auf sehr eindringliche Weise. Fast alle Stücke, sechzehn sind es an der Zahl, haben instrumental zusammen gestutzt werden müssen, klingen aber in ihren Reduktionen durch Anne Champert und Rainer Riehn ganz ausgezeichnet.

Eine Handvoll Lieder sind dabei, am sinnlichsten von Mezzosopran Katarina Bradic’s vorgetragen, der überdies der Bariton Simon Pauly stimmtüchtig zur Seite steht. Zwei Schauspieler und drei Tänzer ergänzen das liebenswürdige Ensemble, das Nicola Hümpel einstudiert hat. Hauptrollen fallen dabei einer Fülle von Pelzmänteln, Pelzjacken, Pelzschals, wohl auch Pelzhandschuhen zu. Außerdem einem Haufen von wirr durcheinander geschmissenen Notenblättern großen Formats. Das Ensemble ist mit nacktem Leib (plus Badehose) und Feuerseele bei der dramatisch aufgeheizten, aber verschwiegenen Sache.

Das liegt auch daran, dass der hohe Raum akustisch die Sprecher mit ihren möglicherweise aufklärenden Aussagen nicht gerade begünstigt. Man versteht zeitweilig kein Wort. Immerhin wird das Auge durch den steten Umbau des Komponierhäuschens ständig aufs angenehmste beschäftigt. Es geschieht immer wieder manches Spektakuläre, man weiß im Grunde nur nicht wozu. Und das satte, aber nie langweilige knappe zwei Stunden hindurch. Dafür sorgen schon die kleinen akrobatischen Einlagen, die Kopfstände, die schrägen gegenseitigen Abstützungen, Überschläge, Rouladen. Am Ende setzt es reichen anhaltenden Beifall aus Freundeshand.