Literatur

Nobelpreis: Jury verteidigt Mo Yan gegen Herta Müller

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Herausragender Literat oder politischer Opportunist?

Der Streit um den chinesischen Nobelpreisträger Mo Yan geht kurz vor der feierlichen Verleihung in Stockholm weiter. Jetzt melden sich auch die Juroren zu Wort. Sie verteidigen den diesjährigen Literaturnobelpreis an den Chinesen Mo Yan gegen die scharfe Kritik der deutsch-rumänischen Nobelpreisträgerin Herta Müller. Der Sekretär der Schwedischen Akademie, Peter Englund, schrieb in einer Mail an die Stockholmer Zeitung „Dagens Nyheter“ am Mittwoch, er habe nie gesehen, dass Mo Yan die Zensur in China gelobt habe. Vielmehr sei er ihr selbst ausgesetzt gewesen.

Die in Berlin lebende Müller hatte die Vergabe als „Katastrophe“ bezeichnet und ihre Kritik unter anderem damit begründet, dass Mo Yan die Zensur in seinem Land gepriesen habe. Die 59-Jährige hatte den Literaturnobelpreis 2009 vor allem für ihre literarische Aufarbeitung von Diktatur-Erfahrungen aus ihrem Geburtsland Rumänien bekommen. Müller hatte ebenfalls in „Dagens Nyheter“ gesagt, sie sei empört über die Preisvergabe an den 57-Jährigen gewesen und habe bei der Bekanntgabe der Entscheidung „weinen wollen“. Englund meinte in seiner Mail, die Akademie sei auf Mo Yan durch den Japaner Kenzaburo Oe, Nobelpreisträger von 1994, aufmerksam gemacht worden: „Der ist alles andere als extrem empört gewesen über unsere Wahl, das kann ich versichern.“ Zu der von Müller ebenfalls geäußerten Kritik zu Mo Yans Stellung als hohem Funktionär, dessen Rang dem eines Ministers in China entspreche, meinte der Akademiesprecher: „Mo Yan ist ein Autor, der sich dafür entschieden hat, in China zu wirken. Natürlich ist sein Bewegungsraum deshalb eingeschränkt.“

Die mit acht Millionen Kronen (927 000 Euro) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember überreicht. Mo Yan tritt vorher in Stockholm auch bei einer Pressekonferenz auf und hält die traditionelle Nobelvorlesung.