Bühne

Zwei Orchester teilen sich den Kompakt-„Ring“ im Teatro Colón

Im Teatro Colón in Buenos Aires wird von morgens bis abends intensiv geprobt.

Für Musiker und Sänger gibt es keine freien Tage bis zur Uraufführung der Kompaktversion von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ am Dienstag. In rund sieben Stunden an einem einzigen Tag sollen die vier Opern dieser von Cord Garben zusammengefassten Version gespielt werden. Zwei Orchester in voller Wagner'scher Besetzung teilen sich den langen Abend. Das ehrgeizige Projekt wäre fast gescheitert. Die Bayreuther Festspielchefin Katharina Wagner gab vor einem Monat die Regie in Buenos Aires wegen schlechter Probenbedingungen auf. Die Argentinierin Valentina Carrasco trat am selben Tag an die Stelle der Wagner-Urenkelin. Sie hatte vor einigen Jahren als Regie-Assistentin an der „Ring“-Inszenierung der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus in Valencia teilgenommen.

Im „Ring“ fand Carrasco für ihre Inszenierung düstere Facetten, die sie an schwere Zeiten in ihrem eigenen Land erinnerten. Der Raub des Rheingolds und der damit verbundene Liebesverzicht stehe für sie als Bildnis des Kinderraubs, der von der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) systematisch vorangetrieben wurde. In der Inszenierung handele es sich aber um vorsichtige Anspielungen, die jeder Zuschauer nach seiner eigenen Lebenserfahrung entziffern werde.