Ausstellung

Villa Liebermann zeigt die starken Frauen der Secession

In der Liebermann-Villa am Wannsee dominieren ab Sonntag die Damen.

Die Ausstellung „Frauen der Secession“ präsentiert 35 Gemälde und Grafiken von vier Künstlerinnen, die es geschafft hatten, in diese Männerdomäne der Bildenden Kunst Ende des 19. Jahrhunderts einzudringen. Allerdings gehörten bei der Berliner Sesession – anders als in München, Dresden und Wien – Frauen von Anfang an dazu. Das war vor allem Max Liebermann (1847-1935) und Walter Leistikow (1865-1908) als Gründer der Secession zu verdanken. Die Schau zeigt Gemälde von Dora Hitz (1856-1924), Sabine Lepsius (1864-1942) und Clara Siewert (1862-1944) sowie Druckgrafiken von Käthe Kollwitz (1867-1945).

Berlin sei damals eine vergleichsweise eher junge Kunststadt gewesen, die keinen festgefahrenen Traditionen verpflichtet gewesen sei, sagt Kurator und Leiter der Liebermann-Villa, Martin Faass. Zugleich habe die künstlerische Teilhabe von Frauen in der Luft gelegen. Der eher konservative Liebermann habe das erkannt. Zudem wusste er, fügt Faass hinzu, „die künstlerischen Leistungen von Kolleginnen wie Dora Hitz und Käthe Kollwitz zu schätzen“. Insgesamt seien in der 1898 gegründeten Berliner Secession von 107 Mitgliedern neun Frauen gewesen. Diese Künstlervereinigung war als modernes Gegengewicht zur damals vorherrschenden Kunst gegründet worden.

Ein Höhepunkt der Schau, die bis zum 4. März 2013 zu sehen ist, sind Faass zufolge das Selbstbildnis von der jungen Sabine Lepsius, welches im Stil der Alten Meister gehalten ist. Sehr selbstbewusst erstrahle die junge Frau auf bronzefarbenen Grund. Lepsius entstammte einer jüdisch-deutschen Familie und war die Tochter des Berliner Bildnismalers Gustav Graef, der sie von Beginn an förderte. Sie war in führenden Gesellschaftskreisen besonders für ihre einfühlsamen Kinderporträts bekannt. Zudem seien die Grafiken von Käthe Kollwitz aus dem so genannten Weber-Zyklus ein Highlight der Ausstellung, hebt Faass hervor. Mit diesem Werk habe sich das Denken von Kollwitz verändert. Die Uraufführung der „Weber“ von Gerhard Hauptmann 1893 in Berlin sei entscheidend für ihren künstlerischen Werdegang gewesen. Kollwitz stellte die sozialkritische Bilderfolge sehr erfolgreich auf der „Großen Berliner Kunstausstellung“ 1898 vor und wurde von Liebermann für eine Goldene Medaille vorgeschlagen. Ab 1912 war sie als einzige Frau Mitglied des Vorstands der Vereinigung. Immerhin hatte es bis 1919 in Deutschland keine Möglichkeit für Frauen gegeben, ein reguläres Kunststudium aufzunehmen. Für eine künstlerische Ausbildung standen ihnen damals sogenannte Damen-Akademien und privat geführte Ateliers zu Verfügung. Dennoch war Dora Hitz als Tochter eines Malerfarbenfabrikanten und Zeichenlehrers geboren, schon als 20-Jährige mit ihrem Gemälde „Rosenstilleben“ auf der Kunst- und Industrieausstellung in München 1876 vertreten.