Film

Erst kommt die Moral, dann kommt der Hobbit

Die Tolkien-Erben haben gegen Warner Bros. eine Klage eingereicht. Sie halten das Verhalten des Filmstudio für verwerflich

Rund drei Wochen, bevor der erste Teil von Peter Jacksons „Hobbit“-Verfilmung in die Kinos kommt, gibt es ein Vorspiel im Gerichtssaal: Am Montag haben die Tolkien-Erben Klage gegen das Filmstudio Warner Bros. eingereicht. Das meldet das US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“. Von Warner betriebene digitale Marketingstrategien wie der Einsatz von Online-Spielautomaten seien „moralisch fragwürdig“, heißt es in der in Los Angeles eingereichten, 26 Seiten langen Anklageschrift, die auch im Internet verbreitet wurde.

Warner, so die Forderung der Tolkien-Erben, solle den Vertrieb der inkriminierten digitalen Produkte einstellen und darüber hinaus eine Entschädigung in Höhe von 80 Millionen Dollar (rund 62 Millionen Euro) zahlen, weil das Studio geltende Verträge gebrochen und dem Ansehen von Tolkiens Werk geschadet habe. Tolkien-Fans hätten bereits vielfach ihrer Verwirrung und Frustration darüber Ausdruck verliehen, dass die Welt des „Herrn der Ringe“ mit „der moralisch fragwürdigen (und entschieden nicht-literarischen) Welt des Online- und Casino-Glücksspiels“ in Verbindung gebracht würde.

In den vergangenen Jahren, heißt es weiter, habe das Filmstudio mit zunehmender Dreistigkeit Rechte für sich in Anspruch genommen, die nicht bei Warner, sondern den Tolkien-Erben lägen. Diese wiederum hätten daraufhin alles Erdenkliche getan, um einen Rechtsstreit zu vermeiden und sich gütlich zu einigen. Das Studio jedoch habe „überdeutlich klar gemacht, dass es nicht daran denke, seine unrechtmäßigen Aktivitäten einzustellen.

Grundlage der nun eingereichten Klage ist ein Vertrag aus dem Jahr 1969, der Warner allein die Vermarktung „dinglicher“ Merchandising-Produkte zubillige, zu denen, wie die Anwälte der Tolkien-Erben ausführen, weder Apps noch Computerspiele noch Aktivitäten in sozialen Netzwerken zählten. Warner Bros. hat die Klage bisher nicht kommentiert. Eine langwierige Diskussion darüber, was – erstens – „moralisch“ und – zweitens – „dinglich“ ist, dürfte folgen. Schließlich hieß das Internet 1969, als der Vertrag, der bis heute Grundlage der Tolkien-Verfilmungen ist, abgeschlossen wurde, noch ARPANET und war ein Steckenpferd für Nerds. Nicht-dingliches, sondern digitales Merchandising war damit schlicht noch nicht vertragsfähig.

Die Tolkien-Erben, allen voran Tolkiens jüngster Sohn Christopher Tolkien, der am gestrigen Mittwoch seinen 88. Geburtstag feierte, haben sich bisher sowohl durch ihre Sorgfalt als auch durch ihre Geschäftstüchtigkeit ausgezeichnet. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1973 hat Christopher Tolkien zahlreiche Texte aus dem Nachlass publiziert.