Konzert

Die Frau, die von Regenschirmen singt

Spät kam sie, dann aber verzauberte Rihanna ihr Fanpublikum im E-Werk Mitte

Im Nieselregen springen die Letzten aus dem Taxi. Kurz vor 21 Uhr. Links neben dem Kassenhäuschen stehen die, die kein Ticket bekommen haben. Teenager-Mädchen warten. Die mit Karten gehen rechts vorbei. Jetzt aber beeilen. Bloß nicht zu spät zum Geheimkonzert der Sängerin Rihanna kommen. Obwohl, so geheim war das dann doch nicht. Durch die Ebay-Kleinanzeigen wusste man schon einen Tag früher, wo das Konzert stattfinden sollte, und man wusste auch, dass einige Menschen 400 Euro für eine Karte haben wollten.

Kleiderhaufen auf dem Boden

Jetzt stehen um die 800 Zuschauer im E-Werk in Berlin Mitte und hören DJ Reflex zu. Weil es sowieso nicht viel mehr zu tun gibt, als sich mit Bio-Limonade und Bier den Bauch gluckrig zu trinken, tanzen ein paar. Im Inneren ist es so warm, dass Fans Kleiderhaufen auf dem Boden bilden. Daunenjacken, Dufflecoats, sämtliche Winterbekleidung wird einfach übereinander geschmissen. Um 22 Uhr fragen sich die ersten, wann es denn nun losgehen soll. Eigentlich war 21 Uhr geplant. Aber DJ Reflex spielt unermüdlich weiter. Bis jetzt schallte aus den Boxen 23-mal das Wort „bitch“, 26-mal „fuck“. Ab und an geht ein recht korpulenter Mann auf die linke Seite der Bühne und kontrolliert den Bass. Goldketten hängen um seinen Hals.

Vielleicht ist Rihanna ja einfach zu kaputt um aufzutreten? Oder noch im Hotel? Als ein Putztrupp mit Eimer und Wischmob den Weg in Richtung Backstage nimmt, kommt das Gerücht auf, die Sängerin habe zu viel getrunken. Aber sie ist wohl noch nicht in Stimmung. Ein Tontechniker, er ist an der Taschenlampe am Gürtel und einem Ausweis zu erkennen, antwortet auf die Frage, wann es denn losgehe, mit: „Wenn sie sich danach fühlt.“

Aber ist ja auch anstrengend, das Leben einer 24-jährigen barbardischen Sängerin. Um ihr neues Album zu bewerben, welches am 19.11. erscheint, dachte sich Rihanna die 777-Tour aus. 7 Konzerte in 7 Städten 7 verschiedener Länder. 7 Tage in Folge. Mexico City, Toronto, Stockholm, Paris, Berlin, London, New York. Bestimmt zehrt das an den Kräften einer jungen Frau. Das und die langen Partynächte. Ein Mädchen am Fanartikelstand beklagt Bauchschmerzen. Die Mutter hat wenig Mitleid. Sichtlich genervt bemerkt sie, es hätte ja nicht vier Cola trinken müssen. Dann hören wir die ersten Buh-Rufe. Es ist 23:25 Uhr. 800 Menschen warten inzwischen fast zweieinhalb Stunden auf eine junge Frau, die über 37-Millionen Platten verkauft hat und von Regenschirmen singt.

Als die Wartenden das Hanfblatt erblicken, wird alles gut. Da steht sie also. Rihanna, das Sechs-Grammy-Mädchen. Unter Sonnenbrille, Kiffer-Netzshirt und weißer Jacke steckt also die Frau, auf die alle gewartet haben. Sie spielt zwei Songs von ihrem neuen Album „Unapologetic“. Es war nicht zu erwarten, dass eine R’N’B-Sänger eine Frau von Tugend ist, aber eine Entschuldigung wäre schon drin gewesen. So wird nach ein paar Stücken eben ein Mobiltelefon verschenkt. „Das Neueste für meine Fans.“ Der Materialismus ist im Hip-Hop, im R’N’B eben das Äquivalent zur europäischen Höflichkeit.

Wenig vom neuen Album

Aber die Fans in den ersten Reihen sind dankbar für jedes Bisschen ihres Idols. Rihanna spielt an diesem Abend 20 Stücke. Vom neuen Album hört man wenig. „Stay“ eine Ballade mit Klavierbegleitung geht dann in ihren größten Hit über. „Umbrella“ ist wirklich ein Song, den wahrscheinlich die ganze Welt kennt. Die Halle ruft „Ella, Ella, Ella, eh“. Für die Fans hat sich das Warten gelohnt. Im nächsten Jahr, in der O2-World, werden sie Rihanna mit zwanzig mal mehr Menschen teilen müssen.