Kunst

Polke-Mitarbeiter: Künstler hätte Bilder nie herausgegeben

Im Hehlerei-Prozess um vermutlich gestohlene Bilder von Sigmar Polke haben am Montag enge Mitarbeiter des 2010 gestorbenen Künstlers ausgesagt.

Die Zeugen widersprachen vehement der Behauptung des Angeklagten, Polke habe die beschlagnahmten Werke im Tausch gegen Dienstleistungen im Rotlichtmilieu herausgegeben. „Er hätte nie ein unfertiges oder ein als unverkäuflich deklariertes Bild herausgegeben“, betonte ein früherer enger Mitarbeiter Polkes im Landgericht Hildesheim. Die Bilder seien entwendet worden. Einen genauen Zeitpunkt konnte er nicht nennen, der Verlust war zunächst nicht aufgefallen.

Der 58 Jahre alte Angeklagte soll 16 Polke-Bilder im Sommer vor zwei Jahren mehreren Kunsthändlern für 250.000 Euro zum Kauf angeboten haben. Die Werke haben einen Schätzwert von 1,5 Millionen Euro. Der Hotelier aus dem niedersächsischen Bodenwerder bestreitet den Vorwurf der Hehlerei. Er habe den Verkauf nur vermitteln wollen. Besitzer seien zwei Männer aus dem Rheinland, die in Spanien leben. Beide wurden am Montag als Zeugen gehört. Ein 49-Jähriger sagte, er habe die Polke-Bilder von einer inzwischen gestorbenen Kölner Rotlichtgröße bekommen. Der Unterwelt-König habe 100.000 Euro Wettschulden bei ihm gehabt und daher 2006 mit den Bildern seines „Kunden Polke“ bezahlt. Der Wert der Bilder werde sich nach dem Tod des renommierten Malers verzehnfachen, sei ihm versprochen worden. Der Hotelier aus Bodenwerder sollte demnach nur eine Einschätzung über den Wert der Bilder einholen. „So richtig nachvollziehbar ist das nicht, was Sie hier erzählen“, sagte der Vorsitzende Richter, Ulrich Pohl, zu dem Zeugen. Der andere angebliche Besitzer wollte von seiner früheren Version, er habe die Werke von Polke direkt gegen selbstgeschreinerte Möbel erhalten, nichts mehr wissen.