Theater-Kritik

Verkorkste Stasi-Liebe: „Der andere Mann“ im Schlosspark Theater

Ein verlogener Filou, umrahmt von zwei ihn abgöttisch liebenden Frauen.

Das klassische Dreieck hat Ottokar Runze in seinem späten ersten Theaterstück „Der andere Mann“ in den kalten deutsch-deutschen Krieg verlegt. Und das Liebesgeschnatter verklebt mit Spionage und banalem Politiker-Schmäh aus Vor- und Nachwendezeiten. Denn der gewiefte Lover kommt aus dem Osten, gockelte als Stasi-Bonze mit seinen beiden West-Weibern, machte nach 1990 demokratisch-opportunistisch Partei-Karriere. Bis die beiden bürgerlichen Damen ihrem Mielke-Lover auf die verruchten Schliche kommen und tränenreich verlassen. Das wäre der Stoff für eine schrille Polit-Satire, wäre der Autor und Regisseur (86) auf seine alten Tage nicht doch noch vom falschen Ehrgeiz gepudert, aus dem flauen Dreier ein tragisch umflortes, philosophisch aufgeblasenes Altmänner-Geschwätz-Stückchen über Gewissen, Moral und Männlichkeitsgetümel zu machen.

Selten war auf einer Bühne derart kompaktes Banalitätengeplapper nebst Gefühlsgesäusel. Ein perfekt spannungsfreies 70-Minuten-Sprechblasen-Theater mit drei dämlich herum stehenden Figuren, die platter sind als jede nach Luft schnappende Flunder. Selbst als Hörspiel wäre die mühselig gestreckte Veranstaltung ätzend langweilig. Und keinerlei Kritik wert. Aber es quält die Frage: Wieso ein solch monumentales Theatermissverständnis von gestandenen, mit allen Wassern gewaschenen Theaterleuten; nämlich vom Intendanten Hallervorden und Autor-Regisseur Runze; immerhin zwei gefeierte Senioren der Branche?

Dieter Hallervordens (fast) aus eigener Kraft wiederbelebtes Schlossparktheater (Respekt!) glänzt immer wieder mit Hits. Und vergrault immer wieder wie jetzt mit grausigen Flops. Dazu diverse Verschwendungen des notorisch beklagten Mini-Etats durch ein diesmal aufwändig überflüssiges Bühnenbild. Dazu extra eine Kostümbildnerin für Jeans und Schlabberhemd, Dreiteiler und Schlips. Warum dieser Riesenaufwand für ein vorhersehbar großes Nichts? Und das noch 18 Mal in 2012! Dabei war schon die Premiere zu einem Drittel leer.

Schlosspark Theater Schlossstr. 48, Steglitz. Tel.: 78 95 6 71 00.