Bildung

Geschichte einer Zerrüttung

Schauspieler der Ernst-Busch-Schule befürchten Umzug nach Schöneweide. Die SPD versteht die Aufregung nicht

Das Gerangel schien längst ein Ende zu haben. Nun ist der Streit um den neuen Standort der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ (HfS) am Donnerstag überraschend in eine neue Runde gegangen. Zumindest im Verständnis von dessen Kanzler und Verwaltungschef, Kai Schlegel. Seine Hochschule verschickte eine Pressemitteilung mit der Überschrift: „Neuer Ärger um den Zentralstandort für die Busch-Schule“. Nach einer Sitzung des Hauptausschusses befürchten die Schauspieler demnach, dass die „Zusammenführung aller Abteilungen der Hochschule in Berlin Schöneweide“ erfolgen würde.

Seit Jahren ringt die Hochschule bereits mit der Stadt um einen geeigneten Standort. Das führte im Frühsommer zu Protesten seitens der Schauspielschüler, die ihre Schule gern zentral in der Chausseestraße in Mitte sehen wollen. Nun sieht Kai Schlegel diesen Plan gefährdet: „Im Hauptausschuss wurde am Mittwoch beraten, dass ein Standort auch in Schöneweide liegen könnte.“ Das sei ein Schlag ins Gesicht gewesen. „Diese Idee war sehr überraschend, weil wir ja sehr eng mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zusammengearbeitet haben“, sagt Kai Schlegel. Er kritisiert, dass man doch die Auflage eingehalten habe und dass der Kostenrahmen von 33 Millionen Euro nicht gesprengt werde.

Nun sei man „ratlos und irritiert“ gleichermaßen, im Mai hätte es doch das Versprechen der SPD gegeben, dass der attraktive Standort an der Chausseestraße bezogen werden könne. Die Vorstellung in die Schnellerstraße in Niederschöneweide ziehen zu müssen, schürt Ängste. „Das ist kein einfacher Stadtbezirk, was die politische Gesinnung angeht. Die Bezirkspolitiker haben große Sorge, was mit den Gebäuden passieren würde, wenn wir ausziehen“, sagt der Kanzler der Schauspielschule. Um nach Mitte zu kommen, würden die Studenten wieder „aufs Massivste protestieren“. Auch wenn der Protest die Studentenschaft belastet. „Bei den letzten Protesten haben die Schauspielschüler ihr Studium lange unterbrochen.“ Der bisherige Zeitplan, der einen Baubeginn für 2014 vorsehe und eine Fertigstellung dann im Jahr 2017, könnte nun bedroht sein.

Momentan befindet sich die Schauspielschule noch verstreut über die Standorte Schöneweide, Lichtenberg und Prenzlauer Berg, einige Gebäude sind asbestbelastet. Eine neue zentrale, zusammengeführte Hochschule schien die Lösung. Wunschziel: Mitte, in der Chausseestraße, in der sich das Gelände der früheren Opernwerkstätten befindet. Wenn nun nach neuen Standorten gesucht werde, sei das vom Hauptausschuss „eine Rolle rückwärts zu seinen Beschlüssen vom Mai diesen Jahres“, heißt es von der HfS.

Harsche und erwartbare Kritik übte auch die Fraktion der Linken-Partei. „Schauspielschule: Standort Chausseestraße nicht erneut infrage stellen“, lautet die Betreffzeile. Die Befürchtung: Die SPD wolle das attraktive Grundstück an der Chausseestraße doch lieber an private Interessenten veräußern.

Haushälter Torsten Schneider (SPD), der während der Proteste der Studenten zur negativen Symbolfigur wurde und dessen Gesicht auf Plakaten zu sehen war („Meins. Dieses Gebäude, Diese Partei. Diese Stadt“) reagiert gelassen. Das alles sei ganz einfach „unzutreffend“. Mit ruhigen Worten fügt er hinzu: „Der Senat hat eine eindeutige Präferenz für die Chausseestraße, dieser Standort ist der klare Favorit, glasklar.“ Auch der Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft betont: „Wir haben in unserem Gutachten ganz klar die Chausseestraße favorisiert.“ Es fehlten nur noch ein paar finanzielle Überprüfungen. Im Grunde sei man doch auf einer Linie mit der „Ernst Busch“. Die nächste Sitzung des Hauptausschusses ist für den 12. Dezember vorgesehen.