Klassik-Kritik

Ivan Fischer dirigiert die Philharmoniker voller Humor

Na so was: Lisa Batiashvili entpuppte sich in der Philharmonie geradezu als eine Ballerina auf der Geige.

Sie ließ auf ihrer Stradivari unfehlbar die Finger tanzen, sausen, springen. Und gewann ihr damit alles ab, was Sergej Prokofjew bei der Niederschrift seines 1. Violinkonzerts in seine Notenschrift eingebettet hatte: Unternehmungslust, Heiterkeit, Übermut, Lebensfreude. Die tonsprühende Geigerin blätterte alles auf. Das war auch nötig! Begonnen hatte Iván Fischer, Chef des Konzerthausorchesters, sein fabelhaftes Gastspiel bei den Philharmonikern mit einer Gedenkminute für den jüngst verstorbenen Hans Werner Henze. Olaf Maninger trat nach vorn an die Rampe und spielte das „Epitaph für Violincello solo“, das Henze vor annähernd 35 Jahren seinem Freund und Förderer Paul Dessau zugedacht hatte.

Dann aber kam Iván Fischer zur Sache. Sie war an diesem Festabend der Orchester- Virtuosität auf die Namen Strawinsky und Prokofjew getauft. Als gewaltigen Nachklapp setzte es dann noch Dvoraks 8. Sinfonie. Den Anfang machte jedoch Strawinskys Ballettmusik zu „Jeu de cartes“, von Balanchine einst in der New Yorker Metropolitan in Szene gesetzt. Diaghilew war tot, sein Erbe aber lebte munter und anspruchsvoll weiter. Er hatte einst Strawinsky zum bedeutendsten Ballettkomponisten des 20. Jahrhunderts herangezogen. „Jeu de cartes“, 1935 uraufgeführt, war ein Nachklapp alter Zeiten.

Aber Strawinsky hatte unter Diaghilews Fuchtel sehr gut das Ballett-Klappern gelernt. Er ließ kompositorisch keine Pointe aus. Er nahm das Publikum sofort durch die dreimalige Wiederkehr des Anfangthemas zu Beginn jedes der drei Sätze gefangen. Er schrieb eine Partitur, strotzend vor Überraschungen und Humor, voll der die Tanzlust unentwegt animierender rhythmischer Herausforderungen. Iván Fischer wurde ihnen am Pult mit beachtlicher Finesse gerecht. Er verstand das Orchester aufs mitreißendste zu animieren. Der nachfolgende Prokofjew stand dem nicht nach. Zur Verstärkung trat nur Lisa Batiashvili in ihrem feuerroten Abendkleid an die Rampe, spielte mit der unabweisbaren Leuchtkraft geradezu um die Wette und blieb bei diesem modisch unterwanderten „Jeu de cartes“ der Violine mit Abstand Siegerin.