Kino

Die Jedi-Ritter kriegen jetzt Micky-Maus-Ohren

George Lucas befreit sich aus seinem „Star Wars"-Imperium

Es muss dreißig Jahre her sein, dass George Lucas erstmals den Abschied vom Blockbuster angekündigt hat. Was dann folgte, waren drei neue Teile „Star Wars“. Doch diesmal ist es ernst: Disney kauft Lucasfilm für vier Milliarden Dollar und damit sämtliche Rechte am „Krieg der Sterne“ und „Indiana Jones“. Und damit ist George draußen. Wieder einmal übernimmt ein Konzern eine Familienfirma, wieder geht es lediglich darum, aus etablierten Marken das Letzte herauszupressen, wieder siegt Marketing über Kreativität. Wir können uns auf „Luke Skywalker vs. Buzz Lightyear“ oder „Indiana Jones im Reich des Königs der Löwen“ gefasst machen, denn nicht nur Lucasfilm gehört nun Disney, sondern bekanntlich auch die Häuser Pixar und Marvel.

Die Sache lässt sich aber auch aus der persönlichen Perspektive des George Lucas betrachten. Für viele ist er ein Held, Erfinder moderner Märchen, Pionier des digitalen Kinos und Selfmademan. Sieht man Lucas jedoch als Künstler, ist er zur tragischen Figur geworden, zum Gefangenen des Jedi-Universums. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat Lucas darin verbracht. Er hat ja nicht nur sechs Kinofilme inszeniert oder produziert. Es gibt Fernsehserien und Videospiele, Plastik- und Lego-Figuren, und Lucas hat seine Filme für die DVD- und die Blu-Ray-Ausgaben überarbeitet. Er hat neue Figuren eingefügt, Geräusche geändert oder den Hintergrund umgefärbt.

Die Millionen Fans, denen er zu dienen vorgab, haben es ihm nicht nur gedankt, und es gibt sogar einen Film über das gestörte Verhältnis zwischen Meister George und abgefallenen Jüngern, „The People vs. George Lucas“. Die schöne, neue Theorie des nie beendeten Kunstwerks stieß hier an ihre praktischen Grenzen, und als Lucas in der Blu-Ray von Episode sechs den bisher stummen Darth Vader in einer Szene plötzlich ein verzweifeltes „Noooooo!“ ausstoßen ließ, war das Tuch zwischen ihm und der Fangemeinde endgültig zerschnitten.

Nun ist auch die Nabelschnur zwischen Schöpfer und Werk gekappt. Das ist wohl eine gute Nachricht für das Sternen-Universum. Disney hat bereits die Teile sieben, acht und neun angekündigt, und wenn die Serie schon fortgesetzt werden muss, sollte sie ein Mann mit einer frischen Vision übernehmen, wie Christopher Nolan, der Batman vor dem Fortsetzungstod gerettet hat.

Es ist vermutlich auch eine gute Nachricht für den Künstler George Lucas, der nun – von den Mühlsteinen namens Skywalker und Jones befreit – in sich suchen kann, ob dort drinnen noch ein „American Graffiti“ oder „THX 1138“ schlummert, was Star-Wars-Verweigerer für die letzten guten Lucas-Filme halten. Aber womöglich ist für den 68-Jährigen nun die Zeit gekommen, Geld einmal auszugeben statt immer nur welches zu machen. Vor zwei Jahren unterschrieb er, gemeinsam mit Bill Gates und Warren Buffett, das Manifest „Giving Pledge“, das Amerikas Superreiche auffordert, „den Großteil ihres Reichtums an philanthropische und wohltätige Zwecke zu spenden“. Drei Milliarden von Lucas wären schon mal ein guter Anfang.