Bühne

Dada für Anfänger – ein Grebe-Abend im Gorki-Theater

Und Thomas Quasthoff kommt als Stargast vorbei

Ist das denn genug? Reicht das für einen Staatstheaterabend? Diese Frage wird auf Berlins Bühnen häufiger gestellt. Regisseur Nikolas Stemann hat das in seinem wunderbaren Liederabend „Aufhören! Schluss jetzt! Lauter!“ am Deutschen Theater gefragt. Fabian Hinrichs kokettiert mit diesen Selbstzweifeln in seinem Solo-mit-Chor-Projekt „Kill Your Darlings! Streets auf Berladelphia“, das René Pollesch an der Volksbühne inszeniert hat. Antu Romero Nunes nimmt die Gretchenfrage nach der Relevanz in seinen „Räubern“ am Maxim Gorki Theater auf. Damit sind wir am Gorki angekommen, wo Rainald Grebe viele Fragen stellt, aber nicht die grundsätzliche. Womöglich ahnt er, dass in seinem Fall die Antwort negativ ausfallen würde.

Der erfolgreiche Musiker und Comedian Rainald Grebe, der zwar noch nicht das Olympiastadion, aber doch schon die Waldbühne gefüllt hat, hat sich an Berlins kleinstem Staatstheater „DADA BERLIN“ gewidmet. Er zieht das Ganze als eine Pilotsendung für den RBB auf, Kurt Krömer darf via Videobotschaft alles Gute wünschen, das Publikum wird vor dem Betreten des Zuschauerraumes mehrfach darauf hingewiesen, dass es die Rechte am eigenen Bild abtritt. Wilhelm Eilers macht den Talkshow-Einpeitscher, erklärt die Applaus-Dramaturgie und bringt in der Warm-up-Phase mit dem Austern-Witz den besten Gag des Abends. Cristin König referiert über die Ursprünge der Dada-Bewegung und parodiert dabei die RBB-Intendantin Dagmar Reim, später fragt sie als strenge Lehrerin (Eilers steht mit der Peitsche hinter ihr und schlägt auf einen Stuhl) das Publikum nach den Namen der Dada-Protagonisten.

Wir basteln Lavendelsäckchen

Es gibt eine erfrischend komische „LandLust-TV“-Parodie, bei der drei Schauspieler videoangeleitet Lavendelsäckchen für ein gesundes Schlafklima basteln. Holger Stockhaus darf in einer hübschen Nummer Bob Ross und dessen legendäre Fernseh-Malsendung aufs Korn nehmen. Rainald Grebe singt ein Lied (Musik: Jens-Karsten Stoll) und macht sich über die neue Innerlichkeit der jungen Singer-Songwriter-Generation lustig.

Thomas Quasthoff tritt am Premierenabend als Stargast live auf – er kommt an diesem Montag direkt aus den Kudammbühnen, wo Ilja Richter eine Veranstaltung zur Rettung der Berliner Gaslaternen veranstaltet hat. Quasthoff, der mit dem Singen aufgehört hat, wird als Klaviervirtuose vorgestellt. Ein Mini-Instrument wird hereingeschoben, dessen Tasten der contergangeschädigte Quasthoff so gerade mit seinen Ärmchen erreichen kann. Er spielt John Cages „4’33“ - ein Stück Stille – und schaut dabei verzückt zum Bühnenhimmel.

Viel Material, wenig Pointen, das war schon ein Problem bei Grebes letzten Gorki-Programm, einem Abend zur Berliner Wahl. „DADA BERLIN“ pendelt zwischen Parodie-Show und Volkshochschule-Kurs; wer nicht alles verstanden hat, kann einiges über diese 1916 in Zürich begründete Kunstbewegung im Programmheft nachlesen.

Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Karten: 20 221 130. Termine: 2., 20. und 25.11.