Musik

Cecilia Bartoli enthüllt das Geheimnis des Komponisten Steffanie

Massenhafter Andrang in der Philharmonie, Turbulenzen im Kassenraum. Kein Wunder: Cecilia Bartoli singt.

Ihr Programm nennt sich „Mission“, doch wem diese Mission gilt, wird vorab nicht verraten. Aber die Bartoli ist immerhin begnadet genug, aus Geheimnissen volle Häuser zu machen. Nun also ist es heraus: sie singt einen geschlagen Abend lang nichts als Werke von Agostino Steffani, Priester, Politiker, Komponist, geboren am 25. Juli 1654. Zum letzten Mal lebend gesehen wurde er am 12. Februar 1728 in Frankfurt am Main. Seitdem ging er verschollen – bis auf einige Seiten in den monumentalen Musiklexika der Welt. Dort hat ihn Cecilia Bartoli, zusammen mit der berühmten Kriminalautorin Donna Leon ausgegraben. Sie singt Steffanis Ruhm indessen allein und nicht etwa mit Frau Leon im Duett. Dafür hat sie sich als Partner eine feine Barockkapelle mitgebracht, die „Barocchisti“, unter der Leitung von Diego Fasolis. Steffani war ein sehr hellhöriger Komponist: Er hörte in die Zukunft hinein, ohne ihr die Vergangenheit zu opfern. Er wurde ein Zwischenglied zwischen größeren, berühmteren Kollegen.

Cecilia Bartoli knausert mit Überraschungen nicht. Sie setzt unermüdlich ihre herausfordernd wohlplatzierte Stimme ein. Von ihr kann die Musik nachdrücklich lernen, was Staccati sind, Triller, vokale Kunststücke, Singhumor. Sie konzertiert im Alleingang mit einer paradierenden Trompete. Sie mimt, beim Singen langsamer, stiller Partien einzuschlafen. Sie kann einfach alles und noch viel mehr. Alles überdies auf die charmanteste Weise. Das Publikum verfällt nicht einzig in den Bewunderungs-, sondern gleichzeitig in den Liebestaumel. Recht so! Cecilia hat ihn sich verdient. Am ernsthaftesten mit den wundersamen Adagios, diesen von Schönheit zu Schönheit hinüberatmenden, Stücken, die sie geradezu aneinander reiht. Sie verlässt außerdem das Podium nicht. Sie setzt sich, wenn ihre Capelle Ouvertüren spielt, still in den Hintergrund und hält mit ihrer bewundernden Zustimmung nicht zurück. Sie gibt sich nicht als Diva. Sie ist ein Singmädchen aus Fleisch und Blut.