Medien

Radio Paradiso auf Bewährung

Der christliche Radiosender darf weitersenden, aber unter Auflagen

Als Hörer genießt man im Idealfall das Programm – und nimmt keine Notiz davon, was sich hinter den Kulissen des Radiomarktes abspielt. Dieser ist in Berlin besonders vielfältig, so viele Stationen wie in keiner anderen deutschen Stadt kämpfen hier um die Aufmerksamkeit der großstädtischen Radiohörer. Und weil die Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland nur schleppend voran geht, sind die analogen Sendefrequenzen noch immer ein begehrtes weil knappes Gut für die Veranstalter.

Seit 2010 nun tobt in Berlin eine besonders ausgefallene Auseinandersetzung. Mittendrin: das christlich geprägte Programm Radio Paradiso, „Berlins einziger Wellnesssender“, wie man sich selbst bezeichnet. Gestern hat der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), die die Meinungsvielfalt im privaten Rundfunk sichern soll und die über die Vergabe der Frequenzen waltet, entschieden: Paradiso darf seine 98,2 Megahertz behalten, auf der man derzeit sendet. Dass ist schon deshalb berichtenswert, weil die MABB dem Sender im Jahr 2010 die Lizenz aufgrund von „Defiziten in den Programmleistungen“ entzogen hatte und das Programm somit vor dem Aus stand.

Das Verwaltungsgericht der Bundeshauptstadt hatte dann allerdings den Klagen des christlichen Senders in vollem Umfang stattgegeben, da die Entscheidung der Aufsichtsbehörde nicht angemessen gewesen und der Wort- und Musikanteil falsch berechnet worden sei. Zudem soll die Medienanstalt das in Brandenburg unter einer anderen Frequenz ausgestrahlte Programm nicht berücksichtigt haben.

Nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten wurde die Lizenz für die 98,2 schließlich durch die MABB neu ausgeschrieben, und nun also „einstimmig, aber mit Bauchgrimmen“ Radio Paradiso zugeteilt, wie der Medienrat nach seiner gestrigen Sitzung mitteilte. Zu der immerhin einstimmigen Entscheidung geführt haben dürfte nicht zuletzt die Zusage des Senders, neue Stellen im Unternehmen zu schaffen, die sich um den für das Aufsichtsgremium zur Bewertung der Programmqualität besonders wichtigen Wortanteil kümmern sollen. Außerdem werden die Malteser Mitgesellschafter und somit die evangelisch geprägten Veranstalter zukünftig im Rahmen des Programms mit der katholische Kirche zusammenarbeiten, was dem Gebot der vom Sendeauftrag vorgegebenen „Vielfalt“ zuträglich ist.

Zunächst erhält Radio Paradiso allerdings keine Sieben-Jahres-Lizenz, wie dies üblich ist, sondern hat 24 Monate Zeit, sich in Sachen Programmqualität zu bewähren. Die Medienwächter bei der MABB wollen in dieser Zeit das Programm des Senders kritisch beäugen. Ist man zufrieden, wird man die Sendeerlaubnis ohne Neuausschreibung verlängern.

Auf der Frequenz 106,0 darf nun Radio B2 bleiben, das mit einem für einen privaten Musiksender beachtlich hohen Wortanteil aufwartet. Das Vorgängerprogramm „Oldiestar“ war von der MABB vor der Auseinandersetzung mit Radio Paradiso als Anwärter für die 98,2 vorgesehen.