Deutsches Historisches Museum

Geschichtspanorama in Bildern

Das Deutsche Historische Museum öffnet mit 100 Gemälden sein „Atelier der Geschichte“

Welche Bilder bleiben? Bloß nicht noch einmal preußisch werden in diesem Jahr, heißt im Deutschen Historischen Museum (DHM). „Wir setzten auf etwas, das auch aus größerer Entfernung wahrgenommen wird.“ François Gérards prunkvolles Gemälde von Napoleon Bonaparte ist Titelbild und Auftakt der Ausstellung „Im Atelier der Geschichte“, mit dem das DHM sein 25-jähriges Bestehen feiert.

„Mit dem kleinen Franzosen formuliert sich die Macht von Europa“, sagt Sammlungsleiter Dieter Vorsteher-Seiler vor dem Napoleon-Porträt. „Es geht uns darum, in Tiefenbohrungen zu Einzelphänomenen der Geschichte, historische Zusammenhänge aufleuchten zu lassen. Napoleon war jemand, der sagte, holt mir die Maler herbei, sie sollen die Ereignisse beschreiben.“ Die Auswahl von 103 Einzelwerken zeigt europäische Szenen vom 14. bis ins 20. Jahrhundert. Sie erzählt von der Inszenierung der Herrscher und ihrer Welt, von Schlüsselereignissen bis hin zu Schilderungen des Alltagslebens.

„Malerei ist die Gattung, die Geschichte konstruiert, die aber auch Geschichte im Auftrag anderer erzählt“, sagt Vorsteher-Seiler. So prägten die Exponate, in der subjektiven Abnahme ihrer Schöpfer, bis heute geläufige Vorstellungen über die Geschichte Europas, über Religions- und Kulturgeschichte, das Finanzwesen, die sich formierende Arbeiterklasse hinein ins industrielle Zeitalter, Expeditionen, Architektur und Popkultur. Es ist so vor allem ein offenes Panorama, ein Erinnerungsraum, der als ikonographisches Netzwerk an das ganz persönliche Gefühl für weit zurückliegende Ereignisse appelliert. Mit hundert Bruchstücken lassen sich zwar keine 600 Jahre erzählen. Dennoch ist es beim Vorbeiwandern an den Gemälden von einst ungeheuer interessant, was man selbst weiß über das Dargestellte, und wie unser Wissen vor dieser gemalten Geschichte verhandelt wird.

Zu sehen sind neben Gérards Napoleon Meisterwerke von Guilano Bugiardini, Lucas Cranach d. Ä., Hyacinthe Rigaud und Anton Graff, die Personen wie Martin Luther, Papst Clemens VII., die Erzherzogin Maria Theresia und Liselotte von der Pfalz porträtierten. Das 20. Jahrhundert wird klein gehalten. Ein opulentes Gemälde über den Autobahnbau von Carl-Theodor Protzen dokumentiert die NS-Zeit. Ungewöhnlich ist ein kleines Porträt Adolf Hitlers, das ihn als Getriebenen zeigt. Der Künstler Klaus Richter hatte es nach einer heimlich angefertigten Skizze gemalt. Auch die Zeit nach 1945 bleibt auf wenige Werke beschränkt.

Den Schlusspunkt setzt Matthias Koeppels bekanntes Bild zum Mauerfall von 1989 – mit einer Menschenmenge am Brandenburger Tor und Colaflasche. In die Menge hat der Künstler auch das Konterfei von DHM-Gründungsdirektor Christoph Stölzl eingefügt: Ein Zeugnis dafür, wie Geschichte im Atelier entsteht – und im Museum selbst Zeitgeschichte wird.

DHM, Unter den Linden 2. Täglich 10-18 Uhr, bis 21. April. Katalog: 29,90 Euro.