Film

Werner Herzog will Eichingers letztes Projekt verfilmen

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Das Berliner Filmmuseum widmet ihm eine Filmreihe, seine Sammlung ist jetzt im Online-Archiv

Geplant war ein gemütlicher Vormittag, in der die Deutsche Kinemathek Berlin ihr neuestes Projekt präsentiert. Selbst das war bemerkenswert, schließlich galt es, das Archiv Werner Herzogs zu präsentieren, eines der wichtigsten und am wenigsten beachteten Filmemacher Deutschlands. Von einem, der immer nur am Rande wahrgenommen wird, dort, wo er sich selbst auch scheinbar am wohlsten fühlt.

Herzog ist neben Fassbinder, Schlöndorff und Wenders Schlüsselfigur des Neuen Deutschen Films der Siebziger Jahre und wird trotzdem hierzulande immer noch auf seine Zusammenarbeit mit Extremdarsteller Klaus Kinski reduziert, auf „Nosferatu“, „Fitzcarraldo“, „Aguirre – Der Zorn Gottes“. Dabei hat er nicht aufgehört zu drehen, allerdings hauptsächlich in den USA , wo er für seine Spiel- und Dokumentarfilme gefeiert wird. Allein im letzten Jahr sechs Produktionen waren das, wie „Death Row“ etwa, eine Dokureihe über Schwerverbrecher, die auf ihre Todesstrafe warten. Allesamt Filme, die es in Deutschland aus Desinteresse der Verleiher nicht ins Kino schaffen. Seit der Berlinale 2010 ändert sich etwas, findet Herzog. Damals war er Präsident der Jury und wurde plötzlich respektiert, und nicht mehr wie in den Siebzigern abgelehnt, weil er entgegen des 68er-Mainstreams abstruse Filme im Dschungel drehte.

„Und jetzt ENTER drücken!“ Mit einem Klick auf der Tastatur des Laptops soll an diesem Morgen das Archiv seines Lebenswerks online gehen, oder zumindest ein Teil davon. 2009 hat der Filmemacher seine Sammlung der Deutschen Kinemathek in Berlin vermacht. 16.000 Fotos, dazu Drehbücher mitsamt Kaffee- und Blutflecken, Förderanträge mit fragwürdigem Wahrheitsgehalt und persönliche, nicht minder ambivalente Notizen. Zwei Jahre haben Mitarbeiter der Kinemathek bereits damit verbracht, den Wust an Material zu sichten, sortieren und digitalisieren. 600 dieser Fotos sind nun, nach Herzogs persönlichem Mausklick, für jedermann auf www.deutsche-kinemathek.de zu sehen. Alles schön und gut, von Werner Herzog abgenickt. Und dann, in all der Nostalgie, fängt er an, von der Zukunft zu erzählen. Und die ist die eigentliche Sensation: Herzog wird das letzte unvollendete Projekt von Bernd Eichinger verfilmen. Eichinger plante vor seinem Tod die Adaption des Romans „Jesus von Texas“ von DBC Pierre, das Drehbuch steht bereits. Und Katja Eichinger, die Witwe, folgt dem Willen ihres Mannes und beauftragt Herzog mit der Regie. Die Adaption von „Vernon God Little“, wenn sie denn zustande kommt – eine etwas perplexe Katja Eichinger wusste auf unsere Nachfrage noch nichts über die Besetzung zu sagen – wird das gemeinsame Projekt zweier Filmwahnsinniger sein.