Rückblick

Kate Moss, universell und unersetzlich

Ein Bildband zeigt, Wandelbarkeit ist das große Geheimnis des internationalen Model-Erfolges

„Je mehr mich alle sichtbar machen, umso unsichtbarer werde ich“, sagte Kate Moss 1994 als 19-jährige Superfrau, die schon damals mehr war, als irgendein Model. Sie war in der Visitenkartenzeit der Neunziger einfach nur „Kate“. Heute ist Kate Moss wieder „Kate Moss“ – so heißt ihr Bildband, der bei Schirmer/Mosel (78 Euro) erschienen ist. 25 Jahre sind vergangen, seit sie auf dem New Yorker Flughafen JFK von einer Agenturchefin entdeckt wurde. Heute ist Moss 38. So geht es vor allem um die Geschichte ihrer Bilder, von denen die besten schon ein bisschen älter sind.

Zuvörderst ist der Bildband getäfelt mit Moss-Motiven von Mert Atlas und Marcus Piggott, die in den Nuller Jahren entstanden, einigermaßen nah an der Gegenwart. An Nostalgie wird gespart. Weitergeblättert kommen die intimeren Abbildungen von Mario Testino und Jürgen Teller; noch später die sehr frühen von Corinne Day. Dazwischen Mario Sorrenti, der Moss mit Schwarz-Weiß-Körnung wie eine Skulptur behandelte, der über die Calvin-Klein-Reihen Gesicht und Körper der Moss vielleicht überhaupt erst kreierte. Kate Moss wurde zum Gegen-Model, zur Anti-Schiffer, ein tätowiertes Vorstadt-Girl mit rotzigem Blick. Sie polierte das raue Image, spielte die Aufmerksamkeit aus, die ihr zuteil wurde durch Moraltiraden, die ihr Mager-, Drogensucht und Lolita-Sex vorwarfen. Die Hysterie war heftig. Moss sagte: „Meine Rache ist der Erfolg.“ Claudia Schiffer war High-Fashion. Kate Moss reichten Gummistiefel, die sie beim Rockfestival in Glastonbury trug – die Herstellerfirma meldete kurz danach: ausverkauft.

Moss, oben und unten, universell und unersetzlich: Nach einem Kokain-Skandal verdoppeln sich ihre Gagen. Die Moss-Männer hießen Pete Doherty und Johnny Depp. Ihre Wandelbarkeit ist ein offenes Geheimnis. Es gebe, sagt Moss in dem einleitenden Interview, eine Übereinkunft zwischen dem Model, dem Fotografen und der Person, die man gemeinsam erschaffen will. Diese Übereinkunft muss unausgesprochen bleiben. Und vielleicht ist jedes Foto ein unausgesprochener Moss-Beweis dafür, dass sie selbst noch sichtbar ist.