Musik

Leidenschaftlich: Ein spanischer Abend in der Philharmonie

Ein philharmonischer Ausflug in spanische Ferien.

Ihn bewilligte das unternehmungslustige Rundfunk-Orchester seinen eher zögerlich nahenden Zuhörern, die erst beim dritten Stück vor der Pause in Wallung gerieten. Dann allerdings gleich mächtig, als Alberto Ginasteras vier hinreißende Tänze aus dem Ballett darbot. Mit Josep Pons, Generalmusikdirektor am Opernhaus in Barcelona, stand erstmals der spanische Dirigiermeister am Berliner Pult. Er versteht sich auf den musikalischen Furor Spaniens, die nicht zu zügelnde spanische Tanzlust, die Ginastera ebenso wie de Falla nicht müde werden, herauskrachen zu lassen. Sie wissen, diese Leidenschaft erwarten ihre Landsleute, und sie sollen sie haben. Pons überwacht deutlich die Genauigkeit der musikalischen Artikulation.

Pons gibt vom Dirigentenpult aus seinem Klavier-Solisten Boris Berezovsky allen erdenklichen Rückhalt bei den Einsätzen, beim Lossprühen der Imagination bei den nächtlichen Wanderungen mit ihren musikalischen Einflüsterungen ferner Tänze und ihren vielversprechenden Verführungen. De Falla lässt seine Imagination einfach laufen und passt sie kunstreich seiner eigenen Natürlichkeit an.

Es ist das Verdienst von Pons, beides in Einklang zu halten: die musikalische Erzählungslust des Komponisten und seine kompositorischen Ziele. Es musste schon ein Entdeckungsgenie wie Diaghilew kommen, de Fallas Kunst aller Welt mit Hilfe von Ballettschritten zugänglich zu machen, die Leonid Massinein das Ballett „Der Dreispitz“ verwandelte: eine Tanzerzählung voller musikalischer Spannung, Landschaftlichkeit und Humor. Noch schöner, als de Fallas Musik zu hören, ist und bleibt es halt, sie getanzt zu sehen.