Geldnot

English Theatre hofft auf einen Rettungsschirm

Ohne Übergangsfinanzierung droht das Aus für die Bühne

Die Politik soll’s richten: Auf den Abgeordneten ruhen die Hoffnungen der Theatermacher, darauf, dass die Förderentscheidung einer unabhängigen Jury zwar nicht korrigiert, aber zumindest modifiziert wird. Wenn das nicht geschieht, steht das in Kreuzberg beheimatete English Theatre mit dem Auslaufen der Unterstützung Ende 2013 vor dem Aus, lediglich im kommenden Jahr bekommt die Einrichtung nochmals 100.000 Euro im Rahmen der Basisförderung.

Auf eine Juryschelte verzichteten Günther Grosser, der künstlerische Leiter, und Geschäftsführer Bernd Hoffmeister, beim gestrigen Pressegespräch auf der Bühne des Theaters. Zumindest fast. Das offenbar nach Aktenlage entschieden worden war, weil „unseres Wissens lediglich ein Jurymitglied in den vergangenen Spielzeiten zu einer einzigen Vorstellung erschienen war“, das wurde dann doch erwähnt. Sollte das zutreffen, wirft es kein gutes Licht auf die sicherlich wenig beneidenswerte Arbeit der Jury, denn so folgenreiche Entscheidungen sollten sehr verantwortungsbewusst, also erst nach mehreren Besuchen, getroffen werden.

Knapp vier Monate liegt dieses Votum zurück. In der Zwischenzeit hat das Theater eine Petition verfasst (sie steht auf der Homepage), die von 2000 Menschen unterzeichnet wurde, die sich gegen eine Schließung aussprechen. Die Unterschriften sollen Mitte Dezember dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der ja auch den Kulturbereich verantwortet, übergeben werden. Bislang hat sich die politisch verantwortliche Ebene einem Gesprächswunsch der Theatermacher verweigert, aber die setzen darauf, dass es dazu noch kommen wird. Sie haben in den vergangenen Wochen mit Abgeordneten geredet. Vornehmlich solchen, die im Kulturausschuss sitzen. Die Resonanz soll positiv gewesen sein, auch wenn einige überrascht waren, dass es in Berlin überhaupt eine englischsprachige Bühne gibt. Von den Politikern erwarten die Theatermacher, dass sie eine Art Rettungsschirm für das Jahr 2014 bewilligen.

Denn ein Jahr später beginnt die neue Periode der fünfjährigen Konzeptförderung. In die will das English Theatre rein, aber bis dahin müssen sie erst mal überleben. Grosser und Hoffmeister wissen natürlich, dass die Konkurrenz um diesen begehrten Fördertopf (der viel Planungssicherheit bietet) sehr groß ist, sind aber der Meinung, dass ihr Theater genau dort hineingehört. Denn mit der zweijährigen Basisförderung sollen innovative Projekte unterstützt werden, während das English Theatre einen konservativeren Spielplan pflegt, was auch am Sujet liegt: Stücke stehen im Mittelpunkt, ein „well made play“ gilt im angloamerikanischen Raum allemal mehr als eine genreübergreifende, schräge Performance.