Aktivismus

Ein Künstler zeltet mit Occupy im Haus am Waldsee

Was bleibt eigentlich von Occupy? Die amerikanische Protestbewegung, die vor einem Jahr den Zuccotti-Park in New York City besetzte, hat augenscheinlich nicht allzu viel erreicht.

Zu heterogen waren ihre Forderungen, die außer Kontrolle geratenen Finanzmärkte zu zäumen, zu entfesselt die globalisierte Wirtschaft. Eine kollektive Identität konnte sich unter den hinter ihrer Guy-Fawkes-Maske anonymisierten Aktivisten nicht ausbilden.

Auch der Maler Erik Schmidt hielt sich im September 2011 in New York auf. Als Sammler und Interpret gesellschaftlicher Rituale begann ihn die Occupy-Bewegung zu interessieren: weniger ihre inhaltlichen Ziele als viel mehr ihr symbolischer Habitus. Die Occupy-Anhänger versammelten sich im öffentlichen Raum, schlugen Zelte auf, errichteten Informationsbarrikaden. Sie verkleideten sich, verschmolzen Aspekte von Obdachlosigkeit, Kunsthappening und Musikfestival und verwandelten Stadtparks in Campingplätze.

In seiner Videoinstallation „Downtown“ schlüpft Erik Schmidt in die Rolle zweier Demonstranten. Er zeltete selbst nahe der Wall Street, malte sich an und mimte den gemeinschaftlich bewegten Dauercamper. Doch übersteigert seine Performance die visuelle Ästhetik der Bewegung in ihrer grellen Farbigkeit und beseelten Hippie-Romantik. Gleichzeitig entsättigt sie die Botschaft. So wie von Occupy kaum noch etwas übrig geblieben ist, höhlt Schmidt das Verhältnis von formalem Aufwand zu politischem Einfluss dieser Demonstrationen aus. Deutlich wird das in einer Serie von Übermalungen der „New York Times“. Berichte über den Fortschritt der Occupy-Bewegung hat er mit Ölkreide überzeichnet. Er zitiert Muster der Demoausstattung: die pseudo-ethnischen Designs von Fleecepullovern, das Kolorit von Rucksäcken und Treckingsandalen, den Sozialkitsch der Protestkultur. Schmidts Beschäftigung mit den Codes von gesellschaftlichen Gruppen wird dabei nie zynisch. Er wahrt immer Distanz.

Vor fünf Jahre erregte der aus Herford stammende Schmidt Aufmerksamkeit mit seinem Projekt „Hunting Grounds“. Das Haus am Waldsee zeigt auch den zentralen Film, in dem Schmidt auf Tuchfühlung mit den Gepflogenheiten einer herrschaftlichen Gesellschaft geht. Ob er sich dem Adel nähert, der Neobourgeoisie oder dem Obdachlosen, immer verkörpert Schmidt dabei den Archetypus des Künstlers – dessen eigene Stereotypisierung in die Arbeit natürlich einfließt. Marcus Woeller

Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, Zehlendorf. Tel.: 801 89 35. Di. 12-18 Uhr. Bis 30.12.